Lieb-Links vom März: To-do-Liste für Briten, die Lausitz in 360 Grad und die TV-Serie „Legion“

Liebe Blogleser, sorry, ich bin noch die Lieb-Links vom März schuldig! Themen anders als sonst aufgemacht, gut geschriebene Reportagen, außergewöhnliche Fernsehserien – hier sind sie.

Das stärkste Medieninteresse hierzulande zog im letzten Monat ja der Merkel-Besuch bei Trump auf sich. Damit verbunden reichlich Szenen, die zeigten wie fremd sich beide Staatslenker offenbar sind. Genügend Material für lustige GIF’s – und diese Animation hier ist meiner Meinung nach besonders geglückt :-).

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Aufruf zur Blogparade: Journalismus studieren – ja oder nein?

Die Frage ist fast so alt wie die nach Henne und Ei und immer wieder wird diskutiert darüber. Vor kurzem fragte mich eine Gymnasiastin, welche Praktika ich empfehlen könnte für einen guten Einstieg in die Medien. Hier fiel mir die Antwort leicht. Aber ob ich die Frage nach einem Journalismus-Studium so leicht hätte beantworten können, bin ich mir nicht sicher.

Bei Juristen, Biologen oder Marketingmanagern würde keiner auch nur auf die Idee kommen, ein entsprechendes Studium in Frage zu stellen. Beim Journalismus aber schon. Einem Gebiet, das sich immens wandelt und in dem Kenntnisse und Fertigkeiten aus vielen Bereichen gefordert sind: Denn als Redakteur darf man auch oft Techniker, Fotograf oder Social Media Manager sein und dazu noch einiges vom Presserecht wissen. Reicht eigentlich für ein Studium, oder?

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Journalismus studieren – oder besser doch etwas anderes wie Anglistik, BWL oder Chemie?

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„Webvideo lernen, sich was trauen und Haltung zeigen“: Sieben Tipps für frische Freie von Christiane Wittenbecher, Webvideoreporterin (DIE WELT/N24)

Irak, Lesbos, Moskau: Mit ihrer VJ-Kamera und per Periscope-Livestream hat Christiane Wittenbecher schon aus etlichen Ecken der Welt berichtet. In kurzer Zeit hat sie viel an journalistischer Erfahrung gesammelt und war oft beim Start neuer Projekte dabei. Eigentlich seien Medien nie ihr Traumberuf gewesen, doch beim Leipziger Uniradio mephisto 97.6 kam die Begeisterung für Features, Reportagen und Satire im Radio auf. „Erste schmerzhafte Lernerfahrung war, dem Interviewpartner niemals das Reportermikro in die Hand zu geben“, erzählt Christiane. Nach Studium sowie MDR-Volontariat ging sie in ihre Heimat Sachsen-Anhalt zurück. Hier arbeitete sie beim MDR frei für Radio, Fernsehen und Online und entwickelte bereits ein eigenes VJ-Format fürs TV, das wöchentlich ungewöhnlich erzählte Geschichten über schräge und subkulturelle Trends zeigte.

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Christiane Wittenbecher auf dem MediaHackDay bei Springer im November 2014. Sie ist Reporterin im Webvideoteam von WELT und N24. Foto: Martin Heller/Webvideoblog.de

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„Das Netzwerk aus Volozeiten macht Bewerbungen überflüssig“: Fünf Tipps für frische Freie von Anja Datan-Grajewski

Auf einem spannenden Berichtsfeld hat sie den Sprung ins Freisein gewagt: Anja Datan-Grajewskis Steckenpferd sind die Länder Osteuropas, besonders Polen und die Ukraine. Als Journalistin pendelt sie zwischen Leipzig und Warschau. Osteuropastudium in Chemnitz, Journalistik in Leipzig, MDR-Volo, danach Stipendien in Polen und Kiew – ein Werdegang, der geradezu aufs Arbeiten auswärts hinzuführen scheint: „Mal ins Ausland gehen wollte ich von vornherein“, erzählt die 30-jährige.

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Zwei Jahre nach der Kiewer Maidan-Revolution hat sie die Stimmung der Ukrainer in einem Straßenblog eingefangen: Anja Datan-Grajewski ist als freie Journalistin in Osteuropa unterwegs. Foto: Julia Kochetova

Zwei Jahre sammelte sie Radio- und Fernseherfahrungen bei MDR Sachsen-Anhalt. Derzeit arbeitet sie hauptsächlich für das MDR-Magazin Heute im Osten, und ihr Blog „Postmaidan“ brachte ihr neben viel Online-Echo und Berichten bei MDR Aktuell und Heute im Osten auch eine Foto-Ausstellung in Warschau ein. Noch ist sie ganz frisch als Selbständige: Aber wie hat sie ihren Weg ins Freisein gefunden?

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Blogparade: Was Journalisten heute lernen müssen

Was müssen Journalisten heute alles lernen und können? Diese Frage stellt sich derzeit fast jeder Medienmacher, und Timo Stoppacher hat auf fitfuerjournalismus.de zur Blogparade dazu aufgerufen. Einige Kollegen wie Karsten Lohmeyer oder Sandra Sperber haben schon geantwortet – hier ein paar Ideen von mir.

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Man muss nicht jedes neue soziale Netzwerk bespielen – aber die wichtigsten sollte ein Journalist schon ausprobieren. (Foto: Pixabay auf Pexels.com)

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Stipendium und Tipps für Journalismus-Einsteiger

Schnell gehen muss es heute in den meisten Redaktionen – für ausführliche Recherchen bleibt oft keine Zeit. Und speziell jungen Kollegen wird die „große Geschichte“ oft auch nicht zugetraut. Der „Freundeskreis der Qualität in der Medienkultur“ – ein Verein aus Leipzig – will Journalisteneinsteigern mit einem 150-Euro-Stipendium weiterhelfen. „Wir erwarten nicht den nächsten Watergate-Skandal. Aber eine Geschichte, die veröffentlicht werden könnte“, heißt es auf der Website. Was vielleicht noch mehr wiegt als das Geld: Zwei erfahrene ARD-Journalisten geben den Stipendiaten Tipps zur Recherche und stehen betreuend zur Seite. Bewerben kann sich, wer noch kein Volontariat absolviert hat und noch nicht hauptberuflich journalistisch arbeitet.

„Journalistenausbildung hat sich stark privatisiert“

Wie geht es den akademischen Reporterschmieden, wenn die Medienbranche in der Krise steckt? Siegfried Weischenberg, Leiter des Lehrstuhls für Journalistik in Hamburg, zieht im Videointerview mit Torben Brinkema eine kritische Bilanz. Die Ausbildung habe sich stark zu privaten Instituten und Medienbetrieben verlagert, während an den traditionellen Stätten der Journalismusausbildung – etwa den Unis Leipzig und Hamburg – die Ressourcen geringer werden. Er erlebe dabei eine Generation von Studenten, so Weischenberg, die oft schon Dutzende Praktika gemacht haben. Viele führten aber nicht unbedingt zum Einstieg in den Beruf, sondern seien mehr oder minder verschleierte Ausbeutung.

Ob er sich heute noch einmal für den Journalistenberuf entscheiden würde? „Es wäre zumindest eine schwierigere Frage als zu der Zeit, wo ich es gemacht habe“, so Weischenberg, der eine Zeit lang auch Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) war. „Der Journalistenberuf ist nicht nur wichtig, sondern auch schön – aber die Bedingungen müssen stimmen.“ (Interview via @LSoM_News)

Checkliste für Journalistenschulen

Der journalist, die Zeitschrift des DJV, hat eine umfangreiche Liste mit Links zu allen deutschen Journalistenschulen veröffentlicht – inklusive einer Reihe von Punkten, die man bei der Entscheidung für eine Schule beachten sollte. Auch die neue Journalistenschule des Bauer-Verlages ist bereits mit dabei.

Der Spiegel hatte bereits im vergangenen Mai eine Serie über deutsche Journalistenschulen, inklusive Wissenstests. „9,58 und 19,19 – mit welchem Namen verbinden Sie diese Zahlen?“ ist so eine Frage, die etwa die Deutsche Journalistenschule in München (DJS) in ihrem Test stellt – auch die restlichen 23 Fragen sind im Artikel aufgelistet. Zudem berichtet ein DJS-Schüler kurz und bündig über seine Ausbildung zum Redakteur. Etwas ausführlicher unter die Lupe genommen hat der Spiegel Axel-Springer-Akademie und RTL-Journalistenschule.

Journalistenausbildung: Ernüchternde Fakten

Der Journalist, die Zeitschrift des DJV, widmet sein Maiheft dem Journalismus-Nachwuchs. Er beleuchtet die Ausbildungssituation und die Arbeitsbedingungen in einer Branche, die immer noch viele anzieht – obwohl Zugang, Arbeitschancen und Bezahlung sich seit Jahren verschlechtern. So erhält die Henri-Nannen-Schule jährlich etwa 2100 Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz – nur knapp ein Prozent, nämlich 20, werden letztlich angenommen. Gefragt wurden auch sechs Chefredakteure und Ausbilder, welche Anforderungen sie an neue Kollegen stellen.

Studiengänge, Qualifikationen: Danach suchen TV-Sender

Das Medienmagazin DWDL hat in einer Serie die Situation von Volontären, Azubis und Praktikanten im Fernsehen unter die Lupe genommen. Das Internetjournal fragte z.B. nach, welches Personal die Privatsender suchen (RTL z.B. für Redaktionen sowie IT und Technik) und welches Studium sie empfehlen. Im eben erschienenen dritten Teil geht es darum, ob die vielen neuen, oft stark spezialisierten Medienstudiengänge auch wirklich einen guten Einstieg ermöglichen. Ein ausführlicher, lesenswerter Überblick.

Krise beim Nachwuchs: Weniger Volo-Bewerber

Journalist werden – das wollen offenbar immer weniger Uni-Absolventen. Zwei Artikel – einer von Olaf Sundermeyer im neuen Journalist (kostenlos lesbar nur für DJV-Mitglieder/Abonnenten) und ein weiterer von Christian Meier in der Süddeutschen – befassen sich mit dem Rückgang der Bewerberzahlen für Volontariate und an Journalistenschulen.

Die Stapel der Bewerbungsmappen dort sind demnach kleiner geworden: Schlechte Bezahlung, unsichere Vertragsverhältnisse, mangelnde Perspektiven für Volontäre in vielen Verlagen und Rundfunkhäusern sowie die Krise der Medienbranche allgemein schlagen sich nun offenbar beim journalistischen Nachwuchs nieder. Olaf Sundermeyer nennt als Beispiel den Weser-Kurier in Bremen, wo im ersten Jahresquartal statt der üblichen 250 Volo-Bewerbungen nur etwas mehr als 80 eintrafen. Immer mehr Medieninteressierte würden abwandern in andere Bereiche. „Unternehmensberatungen, Agenturen für Kommunikationsdienstleistungen oder Public Affairs“, so Christian Meier – dort gebe es gutdotierte Stellen. Und diese Unternehmen förderten ihre Mitarbeiter oftmals besser als viele Medienhäuser.

Die Main-Post in Würzburg steuere dem Trend bereits entgegen: Man pflege seine Praktikanten wieder mehr als früher, zitiert Sundermeyer die Ausbildungsbeauftragte der Zeitung. Der Kampf um die guten Köpfe habe den Journalismus erreicht: Dass es immer noch weitaus mehr Bewerber als Ausbildungsstellen gebe, sei nicht das Entscheidende, so Christian Meier. Wichtig sei vielmehr, wer heute überhaupt erst gar nicht mehr in den Journalismus gehe.