„Bei Deep Fakes werden wir eine schnelle Entwicklung sehen“: Tipps von Journalist Bernd Oswald zum Verifizieren und Faktenchecken

Infos, Fotos und Videos auf Wahrheitsgehalt prüfen: Geht per Google. Oder Twitter. Und darüber hinaus? Verifikation ist seit Jahren eines der Buzzwords im Journalismus – trotzdem tauchen oft Fragen auf. Denn nicht jeden Tag muss jede Info aufwändig verifiziert werden. Gibt es das ultimative Rezept zum Verifizieren? Wie kommen wir raffinierten Schummeleien auf die Schliche? „Dafür musst du denken lernen wie ein Fälscher“, meint Bernd Oswald, Trainer und Journalist aus München. Früher bei sueddeutsche.de und heute bei BR24, sind die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf den Journalismus seit 2009 sein Lieblingsthema. In seinem neuen Buch Digitaler Journalismus. Ein Handbuch für Recherche, Produktion und Vermarktung beim Midas-Verlag beschäftigt er sich auch mit Methoden, wie man Fakten, Fotos und Filmsequenzen prüfen kann.

Bernd Oswald ist Digitaljournalist und Journalismus-Trainer aus München: „Beim Verifizieren muss man Detektivarbeit leisten und um die Ecke denken.“ (Foto: Andreas Unger)

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Ist das Thema Wirtschaft wirklich so schwierig, Eva Schmidt?

Der Brexit, der Dieselskandal, die Insolvenz von Air Berlin: In vielen aktuellen Themen steckt heutzutage auch ein gehöriges Stück Wirtschaft drin. In den Augen mancher Journalisten eine harte Nuss – und auch vielen Lesern und Hörern gelten Wirtschaftsthemen oft als kompliziert und schwer verdaulich. Ist das Ökonomische aber wirklich so schwierig zu verstehen? „Wirtschaft ist nie belanglos, denn jeder hat damit zu tun“, sagt Eva Schmidt, Moderatorin des 3sat-Wirtschaftsmagazins makro. Börsenkurse, Gewinne und Bilanzen sind seit Jahren ihre Themen, denn sie hat auch bei der 3sat-Börse und der Wirtschaftsredaktion von n-tv gearbeitet. Als Filmautorin der Dokumentation „Avanti Polonia – Polens Weg nach Westen“ wurde sie 2011 mit dem Deutsch-Polnischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Für das Medienpraxis-Blog hat sie Tipps, wie Redakteure an Wirtschaftsthemen herangehen wollten – und rät zu anti-autoritärem Denken. Mehr Tipps von Eva Schmidt hört Ihr auch in der neuen Episode des Hinhörer-Podcasts.

Eva Schmidt ist Moderatorin des 3sat-Wirtschaftsmagazins „Makro“ und wurde 2011 mit dem Deutsch-Polnischen Journalistenpreis ausgezeichnet. (Foto: Bodo Schickentanz)

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Wie sich Lokaljournalismus ändern muss, #deutschlandspricht und Radioprobleme: Die Lieb-Links vom Juni

Lieber Blogleser, liebe Blogleserin, auch im Juni gab’s Artikel zum Thema Medien sowie gute Reportagen, die zu schade sind, um sie in der Infoflut untergehen zu lassen.

So zur Vertrauenskrise des Journalismus: Schon oft bejammert und analysiert. Der Deutschlandfunk hat mehrere Studien dazu unter die Lupe genommen. Fazit: Mehr Distanz zu den Mächtigen würde gut tun. Journalisten sind mittlerweile zu oft Teil der Elite. Zudem kommen zu viele Themen „von oben“, doch zu wenige „von unten“ in die Agenda. Also: Arbeiter und Bauern in die Redaktionen! Oder wie früher in der DDR Volkskorrespondenten heranziehen. Der ganze Artikel dazu hier.

Volkskorrespondenten im Leipziger Ratskeller 1952. Quelle: Deutsche Fotothek
Volkskorrespondenten wurden in der DDR oft die freien Mitarbeiter der Lokalzeitungen genannt: Eine wichtige Form der Massenverbindung des sozialistischen Journalismus, wie es damals hieß. Hier ein Lehrgang in Leipzig 1952. (Quelle: Deutsche Fotothek‎ [CC BY-SA 3.0 creativecommons.org, via Wikimedia Commons])
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„Wichtiger noch als elegantes Schreiben sind Wühlerqualitäten“: Sechs Tipps für frische Freie von Reporter Ulrich Wolf („Sächsische Zeitung“)

2015 wurde er zum „Journalisten des Jahres“ gewählt, im April 2016 erhielt er gemeinsam mit zwei seiner Kollegen den Wächterpreis der deutschen Tagespresse: Ulrich Wolf von der Sächsischen Zeitung in Dresden. Das Medium-Magazin lobte ihn für seine Recherchen zur Vergangenheit von Pegida-Gründer Lutz Bachmann, und weil er sich Montag für Montag erneut zwischen die Pegida-Demonstranten stellte, trotz Pöbeleien und persönlicher Angriffe. Reporter in Dresden, der Pegida-Stadt: In deutschen Lokalredaktionen dürfte es wohl kaum einen Job dieser Art geben, der in den letzten Monaten herausfordernder war. Hier, wo Brüche in der Gesellschaft deutlicher zu Tage treten als anderswo, Journalisten auch tätlich angegangen werden und zudem die Polizei manchmal ganz eigene Auffassungen von Pressefreiheit vertritt. Was rät einer, der in solchem gesellschaftlichen Klima arbeitet, jungen Kollegen? Rät er überhaupt zum Schritt in die Medien? Auf jeden Fall, sagt Ulrich Wolf: „Denn Journalismus wird wieder wichtiger in seiner Funktion als Schleusenwärter, als Orientierung in der Flut von Infos und Gerüchten“, begründet der 51-jährige. 

Seine Recherchen zur Vergangenheit von Pegida-Gründer Lutz Bachmann haben ihn über Dresden hinaus bekannt gemacht: Ulrich Wolf ist Reporter bei der "Sächsischen Zeitung". Foto: kairospress
Seine Artikel und Recherchen zu Pegida und zur Vergangenheit von dessen Gründer Lutz Bachmann haben ihn bekannt gemacht: Ulrich Wolf ist Reporter bei der „Sächsischen Zeitung“ in Dresden. Foto: kairospress

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Instagram: Wie Journalisten es nutzen können

China blockiert Instagram, hieß es am Montag. Viele werden sich gewundert haben, dass das Bildernetzwerk in Peking plötzlich als politisch gefährlich gilt. Zugegeben, ich habe Instagram auch lange eher für eine Schnappschuss- und Selfie-Plattform gehalten. Doch es gibt jede Menge gute Fotos, und für Journalisten kann der Kanal mittlerweile als Recherchequelle ganz interessant sein – schon allein wegen der schieren Zahl von etwa 60 Millionen Bildern, die laut Instagram täglich hochgeladen werden.

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Vorreiter mit ihrem Auftritt bei Instagram sind die BBC News.

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Blogparade: Was Journalisten heute lernen müssen

Was müssen Journalisten heute alles lernen und können? Diese Frage stellt sich derzeit fast jeder Medienmacher, und Timo Stoppacher hat auf fitfuerjournalismus.de zur Blogparade dazu aufgerufen. Einige Kollegen wie Karsten Lohmeyer oder Sandra Sperber haben schon geantwortet – hier ein paar Ideen von mir.

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Man muss nicht jedes neue soziale Netzwerk bespielen – aber die wichtigsten sollte ein Journalist schon ausprobieren. (Foto: Pixabay auf Pexels.com)

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Als Journalist starten: Tipps für frische Freie, Teil 2

Wie kann man als frischer Freier Fuß fassen im Journalismus? Letzte Woche gab es dazu Tipps von Kollegen, die sich ausführlich mit dem Wandel der Medienbranche auseinandersetzen. Diesmal sind es drei Journalisten, die bereits jahrelang oder erst seit kurzem als Freie unterwegs sind, im Print- sowie im Fernsehbereich sowie als Sportjournalist. Was würden sie jungen Autoren raten, und sehen sie in ihren Arbeitsfeldern Nischen für Neuankömmlinge? Weiterlesen

Wie man einen TV-Beitrag aufbaut – und wie O-Töne dabei helfen

Nicht nur wer neu beim Fernsehen ist, stellt sich oft die Frage, wie er am besten einen Beitrag baut. Hilfreich beim Finden einer Dramaturgie (beschrieben im Blogpost Wie muss ein TV-Beitrag aufgebaut sein?) ist vor allem ein Blick auf die O-Töne, die zum Thema vorhanden sind. O-Töne sind Leben – und wichtige Säulen in der Struktur eines Stückes.

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(Foto: Terje Sollie auf Pexels.com)

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Nachholebedarf im Umweltjournalismus

Gibt man bei Google das Stichwort „Umweltjournalismus“ ein, erhält man derzeit 5.450 Treffer, bei Amazon finden sich ganze sechs Bücher. Ziemlich dürr für ein so breites Themengebiet, das uns quasi täglich begleitet. Im Medium Magazin haben Torsten Schäfer und Marie-Luise Braun den Umweltjournalismus hierzulande unter die Lupe genommen – und einigen Nachholebedarf diagnostiziert. Weiterlesen

Stipendium und Tipps für Journalismus-Einsteiger

Schnell gehen muss es heute in den meisten Redaktionen – für ausführliche Recherchen bleibt oft keine Zeit. Und speziell jungen Kollegen wird die „große Geschichte“ oft auch nicht zugetraut. Der „Freundeskreis der Qualität in der Medienkultur“ – ein Verein aus Leipzig – will Journalisteneinsteigern mit einem 150-Euro-Stipendium weiterhelfen. „Wir erwarten nicht den nächsten Watergate-Skandal. Aber eine Geschichte, die veröffentlicht werden könnte“, heißt es auf der Website. Was vielleicht noch mehr wiegt als das Geld: Zwei erfahrene ARD-Journalisten geben den Stipendiaten Tipps zur Recherche und stehen betreuend zur Seite. Bewerben kann sich, wer noch kein Volontariat absolviert hat und noch nicht hauptberuflich journalistisch arbeitet.

„Korrespondentenarbeit beginnt nach der Pressekonferenz“

Politiker sind (auch nur) Menschen – und Sympathie oder Antipathie zwischen ihnen und Journalisten spielt oft auch eine Rolle, wenn es um’s Fachliche geht. Gerade in der Landespolitik schwinden die Distanzen, sagt Dietmar Brück: Er ist seit einem Jahr Landeskorrespondent der Rhein-Zeitung in Mainz und beschreibt in einem Artikel seine Eindrücke der Korrespondentenarbeit.  Ein wichtiger Teil des Redakteursalltags sei das Netzwerken – und private Politiker-Handynummern würden wie der eigene Augapfel gehütet, um im Ernstfall am ministeriellen Apparat vorbei schnell an Infos zu gelangen. Landespolitik sei keinesfalls provinziell, meint Brück. Der Wirbel um Gesetzesentwürfe, politische Anträge und Tagesordnungen verleite manchmal jedoch dazu, die wichtigste Journalisten-Frage zu verdrängen: Ob nämlich diese Geschichte die Leser überhaupt interessiert.

Unangenehme Termine

Als Journalist muss man nicht unbedingt auf großer Undercoverrecherche sein, um plötzlich in brenzlige Situationen zu geraten: Es reicht eine Demo, auf der es zu Ausschreitungen kommt. Der Schweizer Journalist Felix Schindler berichtet im Tagesanzeiger, wie er Schläge kassierte, als er am Samstag bei Krawallen in Zürich recherchierte. Wer „was mit Medien“ machen will, sollte über diese Seite des  Journalistenalltags nicht überrascht sein.

Ein Universalwerk für’s digitale Zeitalter

Journalismus und Medienbranche stecken im radikalen Umbruch – doch die Lehrbücher sind noch (fast) dieselben wie vor 30-40 Jahren. Ein neues Kompendium muss her, überlegte der Journalist und Dozent Christian Jakubetz laut in seinem Blog – und löste großes Echo aus. Nun sind die ersten Leseproben für das Buch gesammelt, das den Titel „Universalcode – Journalismus im digitalen Zeitalter“ tragen soll. Und der (medienaffinen) Netzgemeinde dürften viele der Autoren gut bekannt sein: Unter anderem Dirk von Gehlen, Blogger und Chef von jetzt.de, Medienjournalistin und Twitterfan Ulrike Langer, der Journalist und Blogger Richard Gutjahr, Simon Kremer, der schon etliche große Multimediareportagen produziert hat. Und: Heribert Prantl ist dabei – er schreibt das Vorwort.  Weiterlesen

Datenjournalismus: „Der große Wandel kommt noch“

Das meint jedenfalls Lorenz Matzat in seinem Beitrag zum redaktionellen Umgang mit Daten und zur Zukunft der Berichterstattung. Der Politikwissenschaftler und Medienpädagoge sieht im data-driven journalism eine immer wichtiger werdende Nische, mit der sich jeder Journalist auseinandersetzen sollte. Mehr noch: Der öffentliche Zugang zu Datenbanken sowie die Möglichkeit, gewonnene Infos mit speziellen Tools zu visualisieren, machen künftig Datenjournalisten notwendig. Redakteure also, die sowohl gut recherchieren als auch Daten bewerten können und außerdem wissen, was technisch in ihrem Medium umsetzbar ist.  Weiterlesen

Recherche in sozialen Netzwerken

Wo finde ich den Wochenendpendler, der mir etwas über sein Leben zwischen Ost-Familie und West-Arbeitsplatz erzählt? Facebook, XING und andere soziale Netzwerke sind Fundgruben für Journalisten, die nach Betroffenen und Protagonisten für ihre Geschichten suchen. Im neuen Wirtschaftsjournalist gibt Michael Klems einen Überblick, wie auf den Websites effektiv gesucht werden kann.

Dass Karriere-Netzwerke wie XING ein guter Experten-Pool sind, dürfte bekannt sein – auch dass man sich in den Themen-Gruppen dort einen Überblick über verschiedene Aspekte einer Geschichte verschaffen kann. Warum nicht selbst auch eine Frage oder Anmerkung posten, mit der Bitte um Antwort oder Kommentierung? Anmerkung: Der für das Versenden eigener Nachrichten benötigte kostenpflichtige Premium-Account ist auch für drei Monate zu haben.

Auf Facebook lassen sich mit speziellen Suchmaschinen – etwa Adtelligence, YourOpenBook oder BooShaka – auch Meldungen auf Pinnwänden durchsuchen. Wer im Social Web nach Stimmen für seine Geschichte sucht, sollte sich jedoch auch als Journalist zu erkennen geben – denn schnell werden die sensiblen Bereiche Datenschutz und Persönlichkeitsrechte berührt, weist Michael Klems hin.