Wahl, Radio und Wölfe sowie Print im Podcast-Fieber: Die Lieb-Links vom September

Etwas Lesestoff für den Feiertag, lieber Blogleser und liebe Leserin: Bemerkenswerte Artikel entweder zum Thema Medien oder interessant gemachter Journalismus. Das Thema Bundestagswahl will ich dabei nur kurz streifen, da es dazu unglaublich viel Lesefutter gibt. Im Vorfeld der Wahl hat Der Tagesspiegel ein prima Stück Datenjournalismus abgeliefert, welches die wichtigsten und am häufigsten diskutierten Themen im letzten Parlament waren. Hier zeigt sich, was eine gute Infografik ist!

Datenjournalismus: Welche Themen haben den letzten Bundestag am meisten beschäftigt?
Datenjournalismus im Tagesspiegel: Welches waren die häufigsten Themen im Bundestag?

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Medien-Startups, Radionachrichten, GIF-Journalismus: Die Lieb-Links des Sommers

Liebe Blogleser, es ist wieder Zeit für eine handverlesene Auswahl an Links zu interessanten Mediendiskussionen und Artikeln. Bald ist Bundestagswahl – und manche Redaktionen wollen mal mit echten Menschen reden. Bei Bürgergesprächsrunden oder ähnlichem will man erfahren, wie es den Leuten geht. Hä? Ist das nicht die eigentliche Aufgabe von Journos? Die taz schreibt über diese Bemühungen und zitiert RTL-Chefredakteur Michael Wulf: „Ich bin gerade durch Bitterfeld durchgefahren. Ich glaube kaum, dass auch nur einer unserer Journalisten da je hinkommt!“ Nach der Altmark, dem Hunsrück oder der Prignitz und Neuruppin will man da gar nicht erst fragen … Alles weitere im Artikel Wie wär’s mit Lokaljournalismus?

Hier war RTL sicher auch noch nicht: Die Prignitz bei Spiegelhagen. Foto: Martin Janecke – CC BY-SA 3.0

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Wie sich Lokaljournalismus ändern muss, #deutschlandspricht und Radioprobleme: Die Lieb-Links vom Juni

Lieber Blogleser, liebe Blogleserin, auch im Juni gab’s Artikel zum Thema Medien sowie gute Reportagen, die zu schade sind, um sie in der Infoflut untergehen zu lassen.

So zur Vertrauenskrise des Journalismus: Schon oft bejammert und analysiert. Der Deutschlandfunk hat mehrere Studien dazu unter die Lupe genommen. Fazit: Mehr Distanz zu den Mächtigen würde gut tun. Journalisten sind mittlerweile zu oft Teil der Elite. Zudem kommen zu viele Themen „von oben“, doch zu wenige „von unten“ in die Agenda. Also: Arbeiter und Bauern in die Redaktionen! Oder wie früher in der DDR Volkskorrespondenten heranziehen. Der ganze Artikel dazu hier.

Volkskorrespondenten im Leipziger Ratskeller 1952. Quelle: Deutsche Fotothek
Volkskorrespondenten wurden in der DDR oft die freien Mitarbeiter der Lokalzeitungen genannt: Eine wichtige Form der Massenverbindung des sozialistischen Journalismus, wie es damals hieß. Hier ein Lehrgang in Leipzig 1952. (Quelle: Deutsche Fotothek‎ [CC BY-SA 3.0 creativecommons.org, via Wikimedia Commons])
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Ein Interview vorbereiten und führen: Tipps und Stichpunkte von Radiojournalist Joachim Dresdner

Ab sofort gibt’s ja ein Podcast zu diesem Blog! Und Joachim Dresdner (MDR, Deutschlandfunk) hat in der ersten Folge Tipps gegeben zum Vorbereiten und Führen von Interviews. Was mache ich, wenn der sonst sprudelnde Gesprächspartner vor dem Mikro plötzlich kurz angebunden antwortet, und wie ordne ich alle Fragen im Kopf? Einige seiner Tipps hat Joachim hier nochmal kurz notiert – vielen Dank!

Radioreporter befragt Automechaniker 1930
Aus jeder Gesprächssituation das Beste machen: Ein finnischer Radioreporter befragt einen Automechaniker – so aufgenommen in den 1930er Jahren. Gefunden bei flickr.com, unter dem Tag „Yle Archives“.

„Das ist das Schönste am Journalismus: Dass die Antworten auf die Fragen oft völlig anders sind als vermutet.“ (Susanne Beyer, stellv. Chefredakteurin DER SPIEGEL, 25.03.2017)

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Abschied von der Mittelwelle

Es rauschte und fiepte, Stimmen und Musik klangen meist etwas dumpf – doch egal, man hatte das Ohr an der großen weiten Welt! Die Mittelwelle war das Zuhause für’s Radio in dessen Geburtsstunde. Nun, 92 Jahre und zwei Monate nach der ersten Ansage aus der „Sendestelle Berlin“, verabschieden sich Deutschlands Hörfunksender von dieser Wellenlänge. Ende 2015 ist Schluss! Joachim Dresdner, Radiojournalist und gelernter Studiotechniker, schaut deshalb auf die Hörfunkgeschichte zurück. Der erste Gastbeitrag hier im Blog!

Radios Anfang – und der schnelle Weg zum Propaganda-Instrument

Der Foxtrott „Wenn die Jazzband spielt“ soll zum Auftakt 1923 gesendet worden sein, auf Welle 400. Nur 10 Jahre später hatte der Mittelwellenrundfunk seine Unschuld verloren, als sich die Sender des „Großdeutschen Reiches“ zusammenschalteten, um Reden der Naziführer in jeden Winkel zu übertragen. Wenn eine Ansprache für die „deutschen Volksgenossen“ angekündigt war, hatten sich die Firmenbelegschaften vor dem Lautsprecher einzufinden.

Die 20er Jahre: Lange vor Gründung der heutigen öffentlich-rechtlichen Sender beginnt die Geschichte des Radios in Deutschland. Am 29. Oktober 1923 strahlt „Die Sendestelle Berlin, Voxhaus“ um 20.00 Uhr erstmals den „Unterhaltungsrundfunk“ aus. (Quelle: http://bit.ly/1OLSIKQ)

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„Journalisten sollten gute Menschenkenntnis besitzen – und echte Neugier spüren lassen“: Sieben Tipps für frische Freie von Radiojournalist Joachim Dresdner

Wer nachmittags DT64 anschaltete, hat auch ihn gehört: Joachim Dresdner. (Foto: privat)
Wer nachmittags DT64 anschaltete, hat auch ihn gehört: Joachim Dresdner. (Foto: privat)

„DT64“: Der Name bringt noch immer viele Radiofans zum Schwärmen, auch wenn es die Station so schon lange nicht mehr gibt. Die „Power von der Eastside“ – so einer ihrer Slogans – spielte nicht nur Pop, sondern auch alternative Bands, Heavy und Weltmusik, und schnitt in Magazinen neben Politik auch Themen wie Sexualität an. Ihre Moderatoren trafen mit ihrer schnodderig-lockeren, aber nie flachen Ansprache einen Ton, den viele suchten. Lutz Schramm, Stephan Lasch oder Marion Brasch und Sylvia Hahnisch kannte man in der ganzen Republik. Ein Radio, das sich freier anfühlte als die meisten anderen DDR-Programme und das in der Wendezeit als kritischer Begleiter hervorragte: Als es Anfang der 1990er abgeschaltet werden sollte, gingen Zehntausende zum Protest und zu Mahnwachen auf die Straße.

Einer derer, die in den 1980ern das Programm mitgestalteten, war Joachim Dresdner. Zuerst absolvierte er im Funkhaus in der Berliner Nalepastraße eine Ausbildung zum  Studiotechniker, doch schnell interessierte ihn, was seine Journalisten-Kollegen machten. Es folgen Aufträge beim Berliner Rundfunk, Journalistik-Fernstudium, schließlich gut elf Jahre Jugendradio: Er moderierte das Nachmittagsmagazin DT64 direkt, die abendliche Talkshow Gaststube sowie die Politsendung Antwort sofort, in der Hörer zu aktuellen Themen Fragen stellen konnten. Auch an den populären Mensch, Du-Diskussionssendungen hat er mitgewirkt. „Diese inhaltliche Breite ist etwas, von dem ich immer noch zehre“, erzählt er. Heute arbeitet er als freier Journalist für MDR SACHSEN-ANHALT, den Deutschlandfunk und den Bayerischen Rundfunk. Weiterlesen