Fazit der Blogparade „Journalismus studieren – ja oder nein?“

„Journalismus studieren – ja oder nein?“ hieß die Frage dieser Blogparade – und es sind gute, interessante Antworten per Blogartikel und Twitter zusammengekommen. Die Tendenz: ein eindeutiges Ja – doch mit ergänzenden Hinweisen.

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Nicht Journalismus ODER, sondern Journalismus UND noch eine andere Fachrichtung sollte man studieren – so das Resümee der Blogparade (Foto: Uni Innsbruck, CC BY-NC 2.0).

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Journalismus-Studium? Ja – gerade heute

„Journalismus studieren – ja oder nein?“ ist das Thema der ersten Blogparade, die hier auf dem medienpraxis-Blog läuft. Anna von Garmissen hat dazu einen Gastbeitrag geschrieben. Vielen Dank, Anna :-)!

Du studierst Publizistik? Bist Du verrückt? Als ich mich Mitte der 90er Jahre an einer großen Universität einschrieb, erntete ich viel Skepsis aus meinem Umfeld. Wie sich herausstellte, waren die Zweifel zumindest vordergründig berechtigt. Schon im ersten Proseminar wurde klar: Zwischen der Arbeit in einer Redaktion und dem, was Kommunikationswissenschaftler so treiben, liegt eine Riesenkluft. Und keiner interessiert sich wirklich für die Gegenseite. Nach einigen Semestern habe ich  gewechselt. Nicht die Fachrichtung, sondern die Uni: Heraus aus dem Massenbetrieb, hinein in einen kleinen, dafür wendigen und praxisnahen Journalistik-Studiengang. Weiterlesen

#darumfrei: Freiberuflichkeit ist anstrengend, nervig – und großartig

Warum will keiner als freier Journalist arbeiten? Das fragten sich die “Fit für Journalismus”-Blogger Bettina Blaß und Timo Stoppacher, als sie vor kurzem mit Studenten diskutierten. Beide sind gern selbstständig und haben deshalb die Blogparade #darumfrei gestartet. Hier ein paar Gedanken von mir: Nicht 100 Prozent pro-frei und endlos begeistert, aber positiv abwägend.

Der Hauptgrund für den eher verhaltenen Wunsch nach Selbstständigkeit scheint klar: Eine Festanstellung gilt in Deutschland generell noch immer als sicherer und deshalb erstrebenswerter. Zum anderen aber mal die Frage: Bereiten Unis, Verlage oder Journalistenschulen junge Absolventen denn einigermaßen auf die Selbstständigkeit vor? Das war exakt einer der Punkte, die der junge Online-Journalist und SHIFT-Gründer Daniel Höly ankreidete, als ich ihn kürzlich nach seinen Tipps für frische freie Journalisten befragte. Es wird offenbar kaum Gründerspirit vermittelt. Mir selbst fällt nicht eine einzige Veranstaltung oder ähnliches zum Thema Freisein ein, wenn ich an eigene Uni- und Volontariatszeiten zurückdenke. Das war  zwar schon vor etwa 20 Jahren, aber augenscheinlich hat sich nicht viel geändert. Weiterlesen

„Journalistenausbildung hat sich stark privatisiert“

Wie geht es den akademischen Reporterschmieden, wenn die Medienbranche in der Krise steckt? Siegfried Weischenberg, Leiter des Lehrstuhls für Journalistik in Hamburg, zieht im Videointerview mit Torben Brinkema eine kritische Bilanz. Die Ausbildung habe sich stark zu privaten Instituten und Medienbetrieben verlagert, während an den traditionellen Stätten der Journalismusausbildung – etwa den Unis Leipzig und Hamburg – die Ressourcen geringer werden. Er erlebe dabei eine Generation von Studenten, so Weischenberg, die oft schon Dutzende Praktika gemacht haben. Viele führten aber nicht unbedingt zum Einstieg in den Beruf, sondern seien mehr oder minder verschleierte Ausbeutung.

Ob er sich heute noch einmal für den Journalistenberuf entscheiden würde? „Es wäre zumindest eine schwierigere Frage als zu der Zeit, wo ich es gemacht habe“, so Weischenberg, der eine Zeit lang auch Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) war. „Der Journalistenberuf ist nicht nur wichtig, sondern auch schön – aber die Bedingungen müssen stimmen.“ (Interview via @LSoM_News)

Checkliste für Journalistenschulen

Der journalist, die Zeitschrift des DJV, hat eine umfangreiche Liste mit Links zu allen deutschen Journalistenschulen veröffentlicht – inklusive einer Reihe von Punkten, die man bei der Entscheidung für eine Schule beachten sollte. Auch die neue Journalistenschule des Bauer-Verlages ist bereits mit dabei.

Der Spiegel hatte bereits im vergangenen Mai eine Serie über deutsche Journalistenschulen, inklusive Wissenstests. „9,58 und 19,19 – mit welchem Namen verbinden Sie diese Zahlen?“ ist so eine Frage, die etwa die Deutsche Journalistenschule in München (DJS) in ihrem Test stellt – auch die restlichen 23 Fragen sind im Artikel aufgelistet. Zudem berichtet ein DJS-Schüler kurz und bündig über seine Ausbildung zum Redakteur. Etwas ausführlicher unter die Lupe genommen hat der Spiegel Axel-Springer-Akademie und RTL-Journalistenschule.

Krise beim Nachwuchs: Weniger Volo-Bewerber

Journalist werden – das wollen offenbar immer weniger Uni-Absolventen. Zwei Artikel – einer von Olaf Sundermeyer im neuen Journalist (kostenlos lesbar nur für DJV-Mitglieder/Abonnenten) und ein weiterer von Christian Meier in der Süddeutschen – befassen sich mit dem Rückgang der Bewerberzahlen für Volontariate und an Journalistenschulen.

Die Stapel der Bewerbungsmappen dort sind demnach kleiner geworden: Schlechte Bezahlung, unsichere Vertragsverhältnisse, mangelnde Perspektiven für Volontäre in vielen Verlagen und Rundfunkhäusern sowie die Krise der Medienbranche allgemein schlagen sich nun offenbar beim journalistischen Nachwuchs nieder. Olaf Sundermeyer nennt als Beispiel den Weser-Kurier in Bremen, wo im ersten Jahresquartal statt der üblichen 250 Volo-Bewerbungen nur etwas mehr als 80 eintrafen. Immer mehr Medieninteressierte würden abwandern in andere Bereiche. „Unternehmensberatungen, Agenturen für Kommunikationsdienstleistungen oder Public Affairs“, so Christian Meier – dort gebe es gutdotierte Stellen. Und diese Unternehmen förderten ihre Mitarbeiter oftmals besser als viele Medienhäuser.

Die Main-Post in Würzburg steuere dem Trend bereits entgegen: Man pflege seine Praktikanten wieder mehr als früher, zitiert Sundermeyer die Ausbildungsbeauftragte der Zeitung. Der Kampf um die guten Köpfe habe den Journalismus erreicht: Dass es immer noch weitaus mehr Bewerber als Ausbildungsstellen gebe, sei nicht das Entscheidende, so Christian Meier. Wichtig sei vielmehr, wer heute überhaupt erst gar nicht mehr in den Journalismus gehe.

Vor dem ersten Anklopfen – für den Start in einer Redaktion

Ja, es war schonmal leichter, den Einstieg in den Journalismus zu schaffen. Jedes Jahr wollen Tausende „was mit Medien“ machen – und man braucht mindestens soviel Glück wie gute Leistungen, um in die Branche reinzukommen. Ein paar grundlegende Tipps aus persönlicher Erfahrung und vom Hörensagen:

Die Redaktionen der Lokalzeitungen sind die beste Schule. Die Themenbreite ist groß, fast jede Zeitung braucht freie Schreiber, und man kann die Gepflogenheiten und Abläufe des Redaktionsalltags kennenlernen – der beste Weg für erste journalistische Erfahrungen.

In verschiedene Medien reinschnuppern. Die Zukunft unseres Berufes ist mindestens bimedial. Mehrere Praktika in Verlagen, Radiostationen, beim Fernsehen oder in der Öffentlichkeitsarbeit helfen zudem, das Kontakt-Netzwerk auszubauen, das einem beim Berufseinstieg nach dem Studium helfen könnte.

Vor dem Praktikum sollte man sich mit der betreffenden Redaktion vertraut machen, ihre Sendungen anschauen bzw. -hören oder im Probeabo die Zeitung lesen. Welche Themen werden wie angepackt, wie ist der Sprachstil, wer sind die Topreporter oder -redakteure? Mehr dazu, wie man sich als Praktikant oder Einsteiger in einer Redaktion verhalten sollte, gibt es bei www.planetpraktika.de.

Das Handwerk beherrschen. Journalismus ist learning by doing. Viele Redaktionen erwarten aber von ihrem neuen freien Mitarbeiter/Praktikanten, dass er journalistische Grundsätze wie Objektivität oder Trennung von Meinung und Kommentar schon kennt bzw. weiß, wie eine Nachricht geschrieben wird. Der Klassiker von Walter von La Roche, Einführung in den praktischen Journalismus, enthält fast alles, was man wissen sollte. Neben den Basics zu den journalistischen Genres zeigt er u.a., welche Wege in den Journalismus führen und wie der Berufsalltag eines Redakteurs aussieht.

Studium und Praktika allein helfen aber nix: Wer einen Berufseinstieg ansteuert, braucht für die meisten Redaktionen ein Volontariat – oder den Abschluss einer Journalistenschule. Wer es dahin schafft, kann sich glücklich schätzen: Die kompakte, multimediale Ausbildung beschert gute Karrierechancen, und man kann jede Menge Kontakte knüpfen – nicht ganz unwichtig in der Branche. Größte Hürde: die berühmten Eingangstests – hier der Wissenstest 2008 der Henri-Nannen-Schule.