Wie sich Lokaljournalismus ändern muss, #deutschlandspricht und Radioprobleme: Die Lieb-Links vom Juni

Lieber Blogleser, liebe Blogleserin, auch im Juni gab’s Artikel zum Thema Medien sowie gute Reportagen, die zu schade sind, um sie in der Infoflut untergehen zu lassen.

So zur Vertrauenskrise des Journalismus: Schon oft bejammert und analysiert. Der Deutschlandfunk hat mehrere Studien dazu unter die Lupe genommen. Fazit: Mehr Distanz zu den Mächtigen würde gut tun. Journalisten sind mittlerweile zu oft Teil der Elite. Zudem kommen zu viele Themen „von oben“, doch zu wenige „von unten“ in die Agenda. Also: Arbeiter und Bauern in die Redaktionen! Oder wie früher in der DDR Volkskorrespondenten heranziehen. Der ganze Artikel dazu hier.

Volkskorrespondenten im Leipziger Ratskeller 1952. Quelle: Deutsche Fotothek
Volkskorrespondenten wurden in der DDR oft die freien Mitarbeiter der Lokalzeitungen genannt: Eine wichtige Form der Massenverbindung des sozialistischen Journalismus, wie es damals hieß. Hier ein Lehrgang in Leipzig 1952. (Quelle: Deutsche Fotothek‎ [CC BY-SA 3.0 creativecommons.org, via Wikimedia Commons])
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Datenjournalismus selbst probiert – dritter Schritt: noch tiefer nach Daten graben

Jeder hat sich im Web schonmal stundenlang den Wolf gesucht nach den richtigen Zahlen. Wie kommt man schnell an Infos, die nicht in Datenbanken stehen? An der Stelle wird Datenjournalismus eigentlich erst richtig spannend – wenn Zahlen aus normalen Webseiten und Dokumenten herausgekratzt werden müssen.  Weiterlesen

Als Journalist starten: Tipps für frische Freie – Teil 1

dapd insolvent, Financial Times am Ende, bei Gruner und Jahr, ZDF und anderswo Hunderte Stellen weniger: Richtig ans Herz legen möchte man den Journalistenberuf derzeit eigentlich niemandem. Wer es sich dennoch nicht ausreden lässt, was kann man dem raten? Selbst Kollegen, die lange im Geschäft sind, zucken da derzeit mit den Schultern. Welche Tipps aber haben die Medienmenschen, die sich intensiv mit dem Wandel ihrer Branche auseinandersetzen? Vier von ihnen habe ich gefragt, als das Beratungsbüro Kreacon mich zu einem Workshop für Journalismus-Newcomer einlud.  Weiterlesen

Datenjournalismus selbst probiert – zweiter Schritt: die richtigen Daten finden

So, nachdem ich im ersten Schritt mich mit Excel angefreundet habe, kommt jetzt das Basteln mit Daten. Doch wie geht man am besten vor? Gibt es einen Step-by-step-Plan zur perfekten Datenstory?

Den typischen Workflow bei einer Analyse hat Simon Rogers, ehemaliger Dateneditor beim Guardian, auf seiner Website aufgezeichnet (eine deutsche Übersetzung von David Bauer gibt es hier). Die Vorgehensweise ist wie bei jeder Recherche: Am Anfang steht eine klar formulierte Frage, von der aus nach verfügbaren Zahlen gesucht wird. Dann also losgekramt! Weiterlesen

Datenjournalismus selbst ausprobiert – erster Schritt: Excel begreifen

Mathe war nie mein Lieblingsfach, und das Statistikseminar an der Uni – naja, besser Schwamm drüber. Jetzt aber kasteie ich mich freiwillig mit Zahlenbergen und Excel-Tabellen: Denn ich will die Grundlagen des Datenjournalismus lernen, zumindest begreifen. Zum einen hoffe ich, dass man beim Datenkramen neue, interessante Themen und Zusammenhänge findet. Zum anderen gibt es immer mehr öffentlich verfügbare Daten, und der versierte Umgang damit wird ein Plus und vielleicht auch ein Muss für jeden (freien) Journalisten sein: „Daten sind das neue Öl“. In den kommenden Wochen und Monaten will ich hier ein kleines Datenjournalismusprodukt – zu welchem Thema, steht noch nicht fest – zustande zu bringen: als Infografik, als Tabelle, wie auch immer. Weiterlesen

„Offene Daten für alle!“

Deutsche Behörden und die Veröffentlichung von Daten – das ein Thema für sich. Viele der Journalisten, die des öfteren mal nach mehr als den statistischen Standarderhebungen fragen, können davon ein Lied singen: „Geht nicht“, „Zu aufwändig“, „haben wir nicht“, hört man da aus den Amtsstuben. Das NDR-Medienmagazin ZAPP widmete einen Beitrag dem Datenjournalismus (leider nicht mehr aufrufbar) und erklärte, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Interessant sind vor allem die Einschätzungen derer, die sich mit dem Thema schon länger beschäftigen  – etwa Stefan Wehrmeyer von der „Open Knowledge Foundation“. Er fordert eine Reform des Systems, nach dem in Deutschland Daten zugänglich gemacht werden. Vieles ist viel zu kompliziert gestrickt, so dass Journalisten oft nicht wissen, welche Daten sie einfordern dürfen. Deutschland braucht eine neue Datenkultur, sind sich auch Christina Elmer vom stern und der freie Datenjournalist Lorenz Matzat einig: Die Veröffentlichung nicht personenbezogener und nicht sicherheitsrelevanter Daten für alle muss Standard werden. Schon jetzt sind Länder wie Großbritannien und die USA Deutschland in dem Punkt mindestens fünf Jahre voraus.

Medienjournalistin Ulrike Langer spricht im Interview mit dem Standard darüber, wie Redaktionen erste Schritte in Richtung Datenjournalismus unternehmen können: Sie empfiehlt Dreierteams aus zwei Journalisten und einem Programmierer, wie es die New York Times macht. Außerdem verrät sie, an welchen Unis man etwas über Datenjournalismus lernen kann und wer das erste Handbuch zu dieser journalistischen Arbeitstechnik erstellt.

„Datenjournalismus ist der wichtigste Trend“

 Was medienmäßig in den USA passiert, kommt mehr oder minder irgendwann auch hier an.  Interessant also, was Managerin Shazna Nessa von der US-Nachrichtenagentur Associated  Press über neue Trends berichtet. Dem Onlinemagazin Meedia verriet sie in einem Interview, welche  Social Media-Plattformen von US-Journalisten mehr und mehr zur Recherche genutzt  werden und  ob angesichts der Entwicklungen Redakteure heute genauso gut auch Techniker sein  müssen.

Shazna Nessa ist auch auf dem Hamburger Scoopcamp dabei, wo ab kommenden Mittwoch über die  Zukunft des Journalismus diskutiert wird. Die gebürtige Londonerin twittert übrigens unter @shazna. Mit in Hamburg: die beiden Deutsche Welle-Journalisten Marcus Bösch und Mirko Lorenz, ebenfalls Experten für Datenjournalismus.