Wie digital affin sind deutsche Journalisten, Stephan Weichert?

Der digitale Journalismus braucht zielgruppenorientierteres Denken: Das meint Stephan Weichert, der Mann hinter dem neuen Programm „Digital Journalism Fellowship“ der Hamburg Media School. Die einjährige Weiterbildung in digitalem Journalismus wird gefördert von Facebook und klingt nach einem Allrounder-Paket. Big Data, Mobile Reporting, Entrepreneurial Journalism, als Abschluss ein Field Trip in die USA. Um die 20 Plätze – Bewerbungsdeadline war Mitte August haben sich viele beworben, sagt Weichert, inhaltlich verantwortlich für das Projekt. Er ist Professor für Journalismus und Kommunikationswissenschaft, hat den Verein für Medien und Journalismuskritik mit begründet und befasst sich seit Jahren mit dem digitalen Strukturwandel in den Medien und Redaktionen.

Die Digitalisierung des Journalismus ist sein Thema: Prof. Dr. phil. Stephan Weichert leitet den Masterstudiengang „Digital Journalism“ sowie das „Digital Journalism Fellowship“-Programm an der Hamburg Media School (HMS). Der studierte Psychologe promovierte über die Darstellungen des 11.September 2001 im deutschen Fernsehen mit seiner Arbeit „Die Krise als Medienereignis“. (Foto: privat)

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Ein Interview vorbereiten und führen: Tipps und Stichpunkte von Radiojournalist Joachim Dresdner

Ab sofort gibt’s ja ein Podcast zu diesem Blog! Und Joachim Dresdner (MDR, Deutschlandfunk) hat in der ersten Folge Tipps gegeben zum Vorbereiten und Führen von Interviews. Was mache ich, wenn der sonst sprudelnde Gesprächspartner vor dem Mikro plötzlich kurz angebunden antwortet, und wie ordne ich alle Fragen im Kopf? Einige seiner Tipps hat Joachim hier nochmal kurz notiert – vielen Dank!

Radioreporter befragt Automechaniker 1930
Aus jeder Gesprächssituation das Beste machen: Ein finnischer Radioreporter befragt einen Automechaniker – so aufgenommen in den 1930er Jahren. Gefunden bei flickr.com, unter dem Tag „Yle Archives“.

„Das ist das Schönste am Journalismus: Dass die Antworten auf die Fragen oft völlig anders sind als vermutet.“ (Susanne Beyer, stellv. Chefredakteurin DER SPIEGEL, 25.03.2017)

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Fazit der Blogparade „Journalismus studieren – ja oder nein?“

„Journalismus studieren – ja oder nein?“ hieß die Frage dieser Blogparade – und es sind gute, interessante Antworten per Blogartikel und Twitter zusammengekommen. Die Tendenz: ein eindeutiges Ja – doch mit ergänzenden Hinweisen.

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Nicht Journalismus ODER, sondern Journalismus UND noch eine andere Fachrichtung sollte man studieren – so das Resümee der Blogparade (Foto: Uni Innsbruck, CC BY-NC 2.0).

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Journalismus-Studium? Ja – gerade heute

„Journalismus studieren – ja oder nein?“ ist das Thema der ersten Blogparade, die hier auf dem medienpraxis-Blog läuft. Anna von Garmissen hat dazu einen Gastbeitrag geschrieben. Vielen Dank, Anna :-)!

Du studierst Publizistik? Bist Du verrückt? Als ich mich Mitte der 90er Jahre an einer großen Universität einschrieb, erntete ich viel Skepsis aus meinem Umfeld. Wie sich herausstellte, waren die Zweifel zumindest vordergründig berechtigt. Schon im ersten Proseminar wurde klar: Zwischen der Arbeit in einer Redaktion und dem, was Kommunikationswissenschaftler so treiben, liegt eine Riesenkluft. Und keiner interessiert sich wirklich für die Gegenseite. Nach einigen Semestern habe ich  gewechselt. Nicht die Fachrichtung, sondern die Uni: Heraus aus dem Massenbetrieb, hinein in einen kleinen, dafür wendigen und praxisnahen Journalistik-Studiengang.

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Aufruf zur Blogparade: Journalismus studieren – ja oder nein?

Die Frage ist fast so alt wie die nach Henne und Ei und immer wieder wird diskutiert darüber. Vor kurzem fragte mich eine Gymnasiastin, welche Praktika ich empfehlen könnte für einen guten Einstieg in die Medien. Hier fiel mir die Antwort leicht. Aber ob ich die Frage nach einem Journalismus-Studium so leicht hätte beantworten können, bin ich mir nicht sicher.

Bei Juristen, Biologen oder Marketingmanagern würde keiner auch nur auf die Idee kommen, ein entsprechendes Studium in Frage zu stellen. Beim Journalismus aber schon. Einem Gebiet, das sich immens wandelt und in dem Kenntnisse und Fertigkeiten aus vielen Bereichen gefordert sind: Denn als Redakteur darf man auch oft Techniker, Fotograf oder Social Media Manager sein und dazu noch einiges vom Presserecht wissen. Reicht eigentlich für ein Studium, oder?

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Journalismus studieren – oder besser doch etwas anderes wie Anglistik, BWL oder Chemie?

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Die „Freienbibel“: (Fast) alles was ein freier Journalist wissen muss

Ein Handbuch für Freie von Freien: Sowas gibt’s bislang kaum, schon das allein lohnt das Lesen. Speziell in Zeiten, wo immer mehr Journalisten sich vermehrt Gedanken darüber machen müssen, wie sie Aufträge finden. Die vor kurzem erschienene „Freienbibel“ vom Berufsverband „Freischreiber“ lässt deshalb Kollegen aus dem Alltag erzählen. Freie wie Silke Burmester, Pia Volk oder Nikolaus Fecht reden darüber, wie sie ihr Geld verdienen und sich auf dem Markt aufstellen – ob als Experte oder als Gemischtwarenhändler. Generelle Fragen für das Journalistendasein also, dazu Hinweise: Wie verhandelt man richtig, wie sollte man seine Kunden sortieren, und wie sagt man auch mal gekonnt „Nein“ zu einem Auftrag?

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Blogparade: Was Journalisten heute lernen müssen

Was müssen Journalisten heute alles lernen und können? Diese Frage stellt sich derzeit fast jeder Medienmacher, und Timo Stoppacher hat auf fitfuerjournalismus.de zur Blogparade dazu aufgerufen. Einige Kollegen wie Karsten Lohmeyer oder Sandra Sperber haben schon geantwortet – hier ein paar Ideen von mir.

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Man muss nicht jedes neue soziale Netzwerk bespielen – aber die wichtigsten sollte ein Journalist schon ausprobieren. (Foto: Pixabay auf Pexels.com)

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„Journalistenausbildung hat sich stark privatisiert“

Wie geht es den akademischen Reporterschmieden, wenn die Medienbranche in der Krise steckt? Siegfried Weischenberg, Leiter des Lehrstuhls für Journalistik in Hamburg, zieht im Videointerview mit Torben Brinkema eine kritische Bilanz. Die Ausbildung habe sich stark zu privaten Instituten und Medienbetrieben verlagert, während an den traditionellen Stätten der Journalismusausbildung – etwa den Unis Leipzig und Hamburg – die Ressourcen geringer werden. Er erlebe dabei eine Generation von Studenten, so Weischenberg, die oft schon Dutzende Praktika gemacht haben. Viele führten aber nicht unbedingt zum Einstieg in den Beruf, sondern seien mehr oder minder verschleierte Ausbeutung.

Ob er sich heute noch einmal für den Journalistenberuf entscheiden würde? „Es wäre zumindest eine schwierigere Frage als zu der Zeit, wo ich es gemacht habe“, so Weischenberg, der eine Zeit lang auch Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) war. „Der Journalistenberuf ist nicht nur wichtig, sondern auch schön – aber die Bedingungen müssen stimmen.“ (Interview via @LSoM_News)

Checkliste für Journalistenschulen

Der journalist, die Zeitschrift des DJV, hat eine umfangreiche Liste mit Links zu allen deutschen Journalistenschulen veröffentlicht – inklusive einer Reihe von Punkten, die man bei der Entscheidung für eine Schule beachten sollte. Auch die neue Journalistenschule des Bauer-Verlages ist bereits mit dabei.

Der Spiegel hatte bereits im vergangenen Mai eine Serie über deutsche Journalistenschulen, inklusive Wissenstests. „9,58 und 19,19 – mit welchem Namen verbinden Sie diese Zahlen?“ ist so eine Frage, die etwa die Deutsche Journalistenschule in München (DJS) in ihrem Test stellt – auch die restlichen 23 Fragen sind im Artikel aufgelistet. Zudem berichtet ein DJS-Schüler kurz und bündig über seine Ausbildung zum Redakteur. Etwas ausführlicher unter die Lupe genommen hat der Spiegel Axel-Springer-Akademie und RTL-Journalistenschule.

Journalistenausbildung: Ernüchternde Fakten

Der Journalist, die Zeitschrift des DJV, widmet sein Maiheft dem Journalismus-Nachwuchs. Er beleuchtet die Ausbildungssituation und die Arbeitsbedingungen in einer Branche, die immer noch viele anzieht – obwohl Zugang, Arbeitschancen und Bezahlung sich seit Jahren verschlechtern. So erhält die Henri-Nannen-Schule jährlich etwa 2100 Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz – nur knapp ein Prozent, nämlich 20, werden letztlich angenommen. Gefragt wurden auch sechs Chefredakteure und Ausbilder, welche Anforderungen sie an neue Kollegen stellen.

Was lange währt … – Praktika beim Fernsehen

Fernsehpraktika sind nicht so einfach zu ergattern – aber auch nicht ganz so schwer zu haben wie manche vielleicht meinen. Beim ZDF etwa bewerben sich jährlich cirka 5.000 Interessierte, immerhin um die 1.600 schaffen es und können praktische Erfahrungen im Sender sammeln. Längeres Warten ist aufgrund hoher Nachfrage zwangsläufig nötig. Wer ein paar Dinge berücksichtigt, kann dies jedoch zumindest etwas verkürzen.  Weiterlesen

Lesen! Lesen! Lesen!

Wie schreibt man gute Berichte und Reportagen, wie packt man die Leser so, dass sie auch nach den ersten drei, vier Sätzen dranbleiben? Lehrbücher und Tipps dazu gibt’s viele: Dass der Text mit dem beginnen sollte, was einen als Reporter selbst am stärksten beeindruckt hat, dass eine Dramaturgie und besonders Konflikte Spannung verleihen – und so weiter.

Ein guter Weg, den eigenen Stil zu verbessern, ist natürlich auch der Blick auf die Texte anderer. Beispielsweise auf die von Charlotte Wiedemann: Ihre Reportagen beeindrucken durch einfache, sehr bildhafte Sprache – etwa dieser Text über einen Besuch in Penang in Malaysia. Oder Peter Linden, früher Sportredakteur bei der Süddeutschen Zeitung: Auch seine Texte für die Zeit sind in klaren, niemals komplizierten Worten verfasst und dennoch äußerst plastisch.

Wenn Sie einen Text lesen, der Ihnen gefällt: Analysieren Sie, warum! Wie sind die Sätze konstruiert, welche Sprache wird verwendet? Mit welchem Bild steigt der Autor ein? Wie stehen seine Protagonisten zueinander in Beziehung, wie beschreibt er sie, was lässt er sie sagen? An welchen Stellen und nach wieviel Sätzen schafft er den Übergang von einer konkreten Szene, vom Besonderen also, hin zum Allgemeinen?

Viele gute und preisgekrönte Texte finden sich auch im „Reporter Forum“ – nebst Tipps gegen Schreibblockaden, zur Recherche oder wie man gute Themen findet.

Sich auf dem Laufenden halten …

… ist in jeder Branche wichtig, auch im Journalismus. Wer wo gesucht wird, wo sich was ändert, dazu viele Hintergrundinfos, Kontakte und Adressen bieten Zeitschriften wie medium – Das Magazin für Journalisten, der journalist vom Deutschen Journalistenverband, oder andere Medienblätter wie Horizont oder Insight. Nebenher existieren noch ne ganze Menge Blogs für Medienmenschen, wie etwa turi-2, meedia, und andere Onlineportale. Erwähnt seien hier nur noch newsroom.de und dwdl.de, wo neben Mediennews auch Stellenanzeigen für den Bereich Journalismus und PR aus vielen Zeitungen zusammengefasst werden, oder die Stellenbörse Grapevinejobs. Literaturtipps, Honorarspiegel und vieles mehr haben Journalisten und Medienleute im Portal www.journalismus.com zusammengetragen – auch hier gibt’s Job-Suchmaschinen und Foren.

Vor dem ersten Anklopfen – für den Start in einer Redaktion

Ja, es war schonmal leichter, den Einstieg in den Journalismus zu schaffen. Jedes Jahr wollen Tausende „was mit Medien“ machen – und man braucht mindestens soviel Glück wie gute Leistungen, um in die Branche reinzukommen. Ein paar grundlegende Tipps aus persönlicher Erfahrung und vom Hörensagen:

Die Redaktionen der Lokalzeitungen sind die beste Schule. Die Themenbreite ist groß, fast jede Zeitung braucht freie Schreiber, und man kann die Gepflogenheiten und Abläufe des Redaktionsalltags kennenlernen – der beste Weg für erste journalistische Erfahrungen.

In verschiedene Medien reinschnuppern. Die Zukunft unseres Berufes ist mindestens bimedial. Mehrere Praktika in Verlagen, Radiostationen, beim Fernsehen oder in der Öffentlichkeitsarbeit helfen zudem, das Kontakt-Netzwerk auszubauen, das einem beim Berufseinstieg nach dem Studium helfen könnte.

Vor dem Praktikum sollte man sich mit der betreffenden Redaktion vertraut machen, ihre Sendungen anschauen bzw. -hören oder im Probeabo die Zeitung lesen. Welche Themen werden wie angepackt, wie ist der Sprachstil, wer sind die Topreporter oder -redakteure? Mehr dazu, wie man sich als Praktikant oder Einsteiger in einer Redaktion verhalten sollte, gibt es bei www.planetpraktika.de.

Das Handwerk beherrschen. Journalismus ist learning by doing. Viele Redaktionen erwarten aber von ihrem neuen freien Mitarbeiter/Praktikanten, dass er journalistische Grundsätze wie Objektivität oder Trennung von Meinung und Kommentar schon kennt bzw. weiß, wie eine Nachricht geschrieben wird. Der Klassiker von Walter von La Roche, Einführung in den praktischen Journalismus, enthält fast alles, was man wissen sollte. Neben den Basics zu den journalistischen Genres zeigt er u.a., welche Wege in den Journalismus führen und wie der Berufsalltag eines Redakteurs aussieht.

Studium und Praktika allein helfen aber nix: Wer einen Berufseinstieg ansteuert, braucht für die meisten Redaktionen ein Volontariat – oder den Abschluss einer Journalistenschule. Wer es dahin schafft, kann sich glücklich schätzen: Die kompakte, multimediale Ausbildung beschert gute Karrierechancen, und man kann jede Menge Kontakte knüpfen – nicht ganz unwichtig in der Branche. Größte Hürde: die berühmten Eingangstests – hier der Wissenstest 2008 der Henri-Nannen-Schule.