Stipendium und Tipps für Journalismus-Einsteiger

Schnell gehen muss es heute in den meisten Redaktionen – für ausführliche Recherchen bleibt oft keine Zeit. Und speziell jungen Kollegen wird die „große Geschichte“ oft auch nicht zugetraut. Der „Freundeskreis der Qualität in der Medienkultur“ – ein Verein aus Leipzig – will Journalisteneinsteigern mit einem 150-Euro-Stipendium weiterhelfen. „Wir erwarten nicht den nächsten Watergate-Skandal. Aber eine Geschichte, die veröffentlicht werden könnte“, heißt es auf der Website. Was vielleicht noch mehr wiegt als das Geld: Zwei erfahrene ARD-Journalisten geben den Stipendiaten Tipps zur Recherche und stehen betreuend zur Seite. Bewerben kann sich, wer noch kein Volontariat absolviert hat und noch nicht hauptberuflich journalistisch arbeitet.

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„Offene Daten für alle!“

Deutsche Behörden und die Veröffentlichung von Daten – das ein Thema für sich. Viele der Journalisten, die des öfteren mal nach mehr als den statistischen Standarderhebungen fragen, können davon ein Lied singen: „Geht nicht“, „Zu aufwändig“, „haben wir nicht“, hört man da aus den Amtsstuben. Das NDR-Medienmagazin ZAPP widmete einen Beitrag dem Datenjournalismus (leider nicht mehr aufrufbar) und erklärte, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Interessant sind vor allem die Einschätzungen derer, die sich mit dem Thema schon länger beschäftigen  – etwa Stefan Wehrmeyer von der „Open Knowledge Foundation“. Er fordert eine Reform des Systems, nach dem in Deutschland Daten zugänglich gemacht werden. Vieles ist viel zu kompliziert gestrickt, so dass Journalisten oft nicht wissen, welche Daten sie einfordern dürfen. Deutschland braucht eine neue Datenkultur, sind sich auch Christina Elmer vom stern und der freie Datenjournalist Lorenz Matzat einig: Die Veröffentlichung nicht personenbezogener und nicht sicherheitsrelevanter Daten für alle muss Standard werden. Schon jetzt sind Länder wie Großbritannien und die USA Deutschland in dem Punkt mindestens fünf Jahre voraus.

Medienjournalistin Ulrike Langer spricht im Interview mit dem Standard darüber, wie Redaktionen erste Schritte in Richtung Datenjournalismus unternehmen können: Sie empfiehlt Dreierteams aus zwei Journalisten und einem Programmierer, wie es die New York Times macht. Außerdem verrät sie, an welchen Unis man etwas über Datenjournalismus lernen kann und wer das erste Handbuch zu dieser journalistischen Arbeitstechnik erstellt.

„Journalistenausbildung hat sich stark privatisiert“

Wie geht es den akademischen Reporterschmieden, wenn die Medienbranche in der Krise steckt? Siegfried Weischenberg, Leiter des Lehrstuhls für Journalistik in Hamburg, zieht im Videointerview mit Torben Brinkema eine kritische Bilanz. Die Ausbildung habe sich stark zu privaten Instituten und Medienbetrieben verlagert, während an den traditionellen Stätten der Journalismusausbildung – etwa den Unis Leipzig und Hamburg – die Ressourcen geringer werden. Er erlebe dabei eine Generation von Studenten, so Weischenberg, die oft schon Dutzende Praktika gemacht haben. Viele führten aber nicht unbedingt zum Einstieg in den Beruf, sondern seien mehr oder minder verschleierte Ausbeutung.

Ob er sich heute noch einmal für den Journalistenberuf entscheiden würde? „Es wäre zumindest eine schwierigere Frage als zu der Zeit, wo ich es gemacht habe“, so Weischenberg, der eine Zeit lang auch Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) war. „Der Journalistenberuf ist nicht nur wichtig, sondern auch schön – aber die Bedingungen müssen stimmen.“ (Interview via @LSoM_News)

Checkliste für Journalistenschulen

Der journalist, die Zeitschrift des DJV, hat eine umfangreiche Liste mit Links zu allen deutschen Journalistenschulen veröffentlicht – inklusive einer Reihe von Punkten, die man bei der Entscheidung für eine Schule beachten sollte. Auch die neue Journalistenschule des Bauer-Verlages ist bereits mit dabei.

Der Spiegel hatte bereits im vergangenen Mai eine Serie über deutsche Journalistenschulen, inklusive Wissenstests. „9,58 und 19,19 – mit welchem Namen verbinden Sie diese Zahlen?“ ist so eine Frage, die etwa die Deutsche Journalistenschule in München (DJS) in ihrem Test stellt – auch die restlichen 23 Fragen sind im Artikel aufgelistet. Zudem berichtet ein DJS-Schüler kurz und bündig über seine Ausbildung zum Redakteur. Etwas ausführlicher unter die Lupe genommen hat der Spiegel Axel-Springer-Akademie und RTL-Journalistenschule.

Journalistenausbildung: Ernüchternde Fakten

Der Journalist, die Zeitschrift des DJV, widmet sein Maiheft dem Journalismus-Nachwuchs. Er beleuchtet die Ausbildungssituation und die Arbeitsbedingungen in einer Branche, die immer noch viele anzieht – obwohl Zugang, Arbeitschancen und Bezahlung sich seit Jahren verschlechtern. So erhält die Henri-Nannen-Schule jährlich etwa 2100 Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz – nur knapp ein Prozent, nämlich 20, werden letztlich angenommen. Gefragt wurden auch sechs Chefredakteure und Ausbilder, welche Anforderungen sie an neue Kollegen stellen.

Krise beim Nachwuchs: Weniger Volo-Bewerber

Journalist werden – das wollen offenbar immer weniger Uni-Absolventen. Zwei Artikel – einer von Olaf Sundermeyer im neuen Journalist (kostenlos lesbar nur für DJV-Mitglieder/Abonnenten) und ein weiterer von Christian Meier in der Süddeutschen – befassen sich mit dem Rückgang der Bewerberzahlen für Volontariate und an Journalistenschulen.

Die Stapel der Bewerbungsmappen dort sind demnach kleiner geworden: Schlechte Bezahlung, unsichere Vertragsverhältnisse, mangelnde Perspektiven für Volontäre in vielen Verlagen und Rundfunkhäusern sowie die Krise der Medienbranche allgemein schlagen sich nun offenbar beim journalistischen Nachwuchs nieder. Olaf Sundermeyer nennt als Beispiel den Weser-Kurier in Bremen, wo im ersten Jahresquartal statt der üblichen 250 Volo-Bewerbungen nur etwas mehr als 80 eintrafen. Immer mehr Medieninteressierte würden abwandern in andere Bereiche. „Unternehmensberatungen, Agenturen für Kommunikationsdienstleistungen oder Public Affairs“, so Christian Meier – dort gebe es gutdotierte Stellen. Und diese Unternehmen förderten ihre Mitarbeiter oftmals besser als viele Medienhäuser.

Die Main-Post in Würzburg steuere dem Trend bereits entgegen: Man pflege seine Praktikanten wieder mehr als früher, zitiert Sundermeyer die Ausbildungsbeauftragte der Zeitung. Der Kampf um die guten Köpfe habe den Journalismus erreicht: Dass es immer noch weitaus mehr Bewerber als Ausbildungsstellen gebe, sei nicht das Entscheidende, so Christian Meier. Wichtig sei vielmehr, wer heute überhaupt erst gar nicht mehr in den Journalismus gehe.

Was lange währt … – Praktika beim Fernsehen

Fernsehpraktika sind nicht so einfach zu ergattern – aber auch nicht ganz so schwer zu haben wie manche vielleicht meinen. Beim ZDF etwa bewerben sich jährlich cirka 5.000 Interessierte, immerhin um die 1.600 schaffen es und können praktische Erfahrungen im Sender sammeln. Längeres Warten ist aufgrund hoher Nachfrage zwangsläufig nötig. Wer ein paar Dinge berücksichtigt, kann dies jedoch zumindest etwas verkürzen.  Weiterlesen