Wahlnacht in der BBC: Die Show der Zahlen und Stimmboxen-Sprints

Wahlen sind Großkampftage beim Fernsehen – und die Gelegenheit, es auch optisch mal so richtig „krachen“ zu lassen. Donnerstag Nacht ließ die BBC mal wieder sehen, dass sie beim Infodesign unter Europas Sendern wohl die Krone auf hat. Wahlsendungen zu schauen macht selten so viel Spaß.

Was da lief, war ein Feuerwerk an Grafiken: Die Abstimmungsergebnisse wurden zumeist in 3D visualisiert, und das Studio verwandelte sich abwechselnd in den Unterhaus-Sitzungssaal, die Downing Street oder die Innenräume des Big Ben-Glockenturms. Mittendrin Moderator Jeremy Vine, der mit viel Verve stundenlang Hochrechungen, Trends und neueste Entwicklungen erklärte.

Vine ist im britischen Fernsehen und Radio einer der bekanntesten und vielseitigsten Politpresenter – und hat Showerfahrung als Quiz-Moderator.  Mal spazierte er über eine überdimensionale Karte aller Wahlkreise, dann stand er vor dem Haus des Premierministers, später in der Lobby im House of Commons. Eine Wahlaufbereitung mit hohem Entertainmentfaktor: Ob das jedem so gefällt – besonders unter den deutschen Zuschauern – ist die eine Sache. Ideenreich gemacht ist es auf alle Fälle.

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Antarktis-Eis und Constructive Journalism in Sachsen: Die Lieb-Links vom Mai

Liebe Blogleser, bei den Lieb-Links vom Monat Mai haben sich viele Artikel zum Thema Journalismus gesammelt – schließlich war European Newspaper Congress. Aber es gibt auch noch anderes: Ein wunderbares Beispiel für Multimediajournalismus ist der neueste Streich der New York Times. Redakteure waren in der Antarktis unterwegs und zeigen sehr anschaulich, wie sich die Eismassen des Kontinents durch den Klimawandel verändern. Fünf Jahre nach Snowfall ein neues, beispielhaftes Projekt mit gut gestalteten Infografiken und Animationen.

 

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Ein Interview vorbereiten und führen: Tipps und Stichpunkte von Radiojournalist Joachim Dresdner

Ab sofort gibt’s ja ein Podcast zu diesem Blog! Und Joachim Dresdner (MDR, Deutschlandfunk) hat in der ersten Folge Tipps gegeben zum Vorbereiten und Führen von Interviews. Was mache ich, wenn der sonst sprudelnde Gesprächspartner vor dem Mikro plötzlich kurz angebunden antwortet, und wie ordne ich alle Fragen im Kopf? Einige seiner Tipps hat Joachim hier nochmal kurz notiert – vielen Dank!

Radioreporter befragt Automechaniker 1930
Aus jeder Gesprächssituation das Beste machen: Ein finnischer Radioreporter befragt einen Automechaniker – so aufgenommen in den 1930er Jahren. Gefunden bei flickr.com, unter dem Tag „Yle Archives“.

„Das ist das Schönste am Journalismus: Dass die Antworten auf die Fragen oft völlig anders sind als vermutet.“ (Susanne Beyer, stellv. Chefredakteurin DER SPIEGEL, 25.03.2017)

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Auf in eine neue Dimension: Dieses Blog kann man jetzt hören!

Richtig gelesen, liebe Blogleser, vom Medienpraxis-Blog gibt es ab sofort auch was auf die Ohren! Auf der Podcast-Plattform podigee.com werdet Ihr unter dem Podcast „Hinhörer“ künftig Interviews mit Redakteuren, Reportern und anderen Medienmenschen finden. Einen Podcast zu produzieren wollte ich schon lange mal ausprobieren – als Ergänzung zu Artikeln und Interviews hier auf’m Blog. In der ersten Episode gibt der Radiojournalist Joachim Dresdner Tipps zur Interviewführung: Hier könnt Ihr sie hören und natürlich auch downloaden! Joachim hat seine Tipps außerdem nochmal in einem Artikel zusammengefasst – aber in ganzer Ausführlichkeit hört Ihr sie im Podcast.

Älteres Mikrophon und Radio

Die erste Folge ist noch rough und „ungeschminkt“, schicke Jingles und ein tolles Coverbild kommen noch. Hört mal rein und schreibt hier, ob’s Euch gefallen hat – und wen Ihr gern mal zu welchen Fragen im Interview hättet!

Lieb-Links vom März: To-do-Liste für Briten, die Lausitz in 360 Grad und die TV-Serie „Legion“

Liebe Blogleser, sorry, ich bin noch die Lieb-Links vom März schuldig! Themen anders als sonst aufgemacht, gut geschriebene Reportagen, außergewöhnliche Fernsehserien – hier sind sie.

Das stärkste Medieninteresse hierzulande zog im letzten Monat ja der Merkel-Besuch bei Trump auf sich. Damit verbunden reichlich Szenen, die zeigten wie fremd sich beide Staatslenker offenbar sind. Genügend Material für lustige GIF’s – und diese Animation hier ist meiner Meinung nach besonders geglückt :-).

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15 Titelblätter, die heute so nicht mehr möglich wären

„Ich hab da was geerbt, das könnte für dich interessant sein“, rief mich ein Verwandter vor Jahren an. Als wir uns trafen, drückte er mir ein dickes, Kilo schweres Bündel in die Hand. Tausende Blatt Papier, die an den Rändern oft schon etwas bröselten. „Alte Zeitungen, und du bist doch Journalist, kannst vielleicht was anfangen damit.“

Es waren Ausgaben der Berliner Illustrirten Zeitung, die ersten von 1911, die letzten von 1919. Warum sie aufgehoben wurden und auch in knappen Kriegszeiten nicht als Kohleanzünder endeten – keiner weiß es. Vielleicht, weil die BIZ einer der herausragenden Zeitungen ihrer Ära war, wie ich später las? Die erste richtige Illustrierte in Deutschland. Neu damals: Die vielen groß aufgemachten Fotos, dazu ein Mix aus paar aktuellen Nachrichten, dem Leserroman, etwas Kultur und Tratsch. Nicht zu schwer verdaulich, dennoch nicht belanglos, und immer auch patriotisch. Man hatte gern mal den Kaiser auf’m Titel. Zu Kriegszeiten wurden eigene Verluste meist verschwiegen, die der anderen dafür umso stärker herausgehoben.

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2016: Drei Dinge, die ich als Blogger gelernt habe – und ein Lesetipp

2016 steht nicht unbedingt im Verdacht, sich als tolles Jahr für Medienmacher ins Geschichtsbuch einzuschreiben. Lügenpresse-Diskussionen, Anschläge, Trump-Wahl: Für mich als Journalist waren es die bisher herausforderndsten Monate – und zum Bloggen hier fehlte oft die Zeit. Neun Artikel waren es im Ganzen: Trotzdem stehen jetzt, Ende Dezember, so viele Besucher und so viele Aufrufe wie noch nie in der Statistik :-). Deshalb ein Blick voraus auf das neue Jahr – doch auch einer zurück auf das, was von 2016 hängen bleibt.20160501_154400 Weiterlesen