„Wichtiger noch als elegantes Schreiben sind Wühlerqualitäten“: Sechs Tipps für frische Freie von Reporter Ulrich Wolf („Sächsische Zeitung“)

2015 wurde er zum „Journalisten des Jahres“ gewählt, im April 2016 erhielt er gemeinsam mit zwei seiner Kollegen den Wächterpreis der deutschen Tagespresse: Ulrich Wolf von der Sächsischen Zeitung in Dresden. Das Medium-Magazin lobte ihn für seine Recherchen zur Vergangenheit von Pegida-Gründer Lutz Bachmann, und weil er sich Montag für Montag erneut zwischen die Pegida-Demonstranten stellte, trotz Pöbeleien und persönlicher Angriffe. Reporter in Dresden, der Pegida-Stadt: In deutschen Lokalredaktionen dürfte es wohl kaum einen Job dieser Art geben, der in den letzten Monaten herausfordernder war. Hier, wo Brüche in der Gesellschaft deutlicher zu Tage treten als anderswo, Journalisten auch tätlich angegangen werden und zudem die Polizei manchmal ganz eigene Auffassungen von Pressefreiheit vertritt. Was rät einer, der in solchem gesellschaftlichen Klima arbeitet, jungen Kollegen? Rät er überhaupt zum Schritt in die Medien? Auf jeden Fall, sagt Ulrich Wolf: „Denn Journalismus wird wieder wichtiger in seiner Funktion als Schleusenwärter, als Orientierung in der Flut von Infos und Gerüchten“, begründet der 51-jährige. 

Seine Recherchen zur Vergangenheit von Pegida-Gründer Lutz Bachmann haben ihn über Dresden hinaus bekannt gemacht: Ulrich Wolf ist Reporter bei der "Sächsischen Zeitung". Foto: kairospress
Seine Artikel und Recherchen zu Pegida und zur Vergangenheit von dessen Gründer Lutz Bachmann haben ihn bekannt gemacht: Ulrich Wolf ist Reporter bei der „Sächsischen Zeitung“ in Dresden. Foto: kairospress

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Brutale Morde und sintflutartiger Regen: Vier Tipps gegen Floskeln

Die Floskelwolke von Udo Stiehl und Sebastian Pertsch ist seit mehr als einer Woche online, und die beiden Journalisten haben damit einen Nerv getroffen. Etwa 2000 Follower bei Twitter, ebensoviele bei facebook und dazu mehr als 200 Vorschläge – ein tolles Echo auf ein Projekt, das so simpel wie genial ist. Doch fangen wir mal anders an: Wie vermeidet man Floskeln? Was tun gegen die „furchtbaren Morde“, die „Spirale der Gewalt“ oder die „Schneise der Verwüstung“? Auch beim x-ten Bericht über Sommer-Unwetter, Weihnachtsmärkte oder den Nahost-Konflikt Formulierungen zu finden, die nicht abgegriffen sind – das fällt teilweise schwer, gerade unter Zeitdruck. Doch man kann die Floskelwolken schnell ausmerzen mit folgenden Tipps. Weiterlesen

Zeitungen: Soviel Krise war noch nie?

Die FTD tot, FR und dapd insolvent, Kürzungen beim Berliner Verlag: Mit Wucht ist der Medienwandel in Deutschland angekommen. Die Bundesagentur für Arbeit spricht von der größten Entlassungswelle in der Presse seit 1949. Für ostdeutsche Journalisten wie für mich hat es dennoch etwas von einem Déjà-vu, denn vor etwa 20 Jahren gab es in den „neuen Bundesländern“ schonmal ähnliches. Weiterlesen

Nekrolog für eine Zeitung

Der junge US-Journalist Tom Rachman hat ein Buch über das Sterben einer Tageszeitung veröffentlicht – „Die Unperfekten“. Skurrilitäten und Figuren des Redaktionsalltags zeichnet er darin offenbar so treffend, dass viele das Buch in höchsten Tönen loben. Schon beim Lesen der Kritik bei Spiegel Online wird fast jeder, der mal in einer Zeitungsredaktion gearbeitet hat, nicken: Ja, kenne ich. Genauso einen Kollegen hatten wir auch.

Wer sich nicht nur fachlich für die Medienbranche wappnen will, sollte vielleicht genau diese Lektüre mal zur Hand nehmen. Gefallen hat das Buch auch der früheren N24-Reporterin Katrin Sandmann, die darüber in ihrem Blog schreibt – das ebenso sehr lesenswert ist. Und falls es jemand noch nicht kennen sollte: Für alle Fernseh-Neulinge bietet der Roman „Die Nachrichten“ von Alexander Osang neben seiner eigentlichen Story einen guten Blick ins Redaktionsbüro.

Lesen! Lesen! Lesen!

Wie schreibt man gute Berichte und Reportagen, wie packt man die Leser so, dass sie auch nach den ersten drei, vier Sätzen dranbleiben? Lehrbücher und Tipps dazu gibt’s viele: Dass der Text mit dem beginnen sollte, was einen als Reporter selbst am stärksten beeindruckt hat, dass eine Dramaturgie und besonders Konflikte Spannung verleihen – und so weiter.

Ein guter Weg, den eigenen Stil zu verbessern, ist natürlich auch der Blick auf die Texte anderer. Beispielsweise auf die von Charlotte Wiedemann: Ihre Reportagen beeindrucken durch einfache, sehr bildhafte Sprache – etwa dieser Text über einen Besuch in Penang in Malaysia. Oder Peter Linden, früher Sportredakteur bei der Süddeutschen Zeitung: Auch seine Texte für die Zeit sind in klaren, niemals komplizierten Worten verfasst und dennoch äußerst plastisch.

Wenn Sie einen Text lesen, der Ihnen gefällt: Analysieren Sie, warum! Wie sind die Sätze konstruiert, welche Sprache wird verwendet? Mit welchem Bild steigt der Autor ein? Wie stehen seine Protagonisten zueinander in Beziehung, wie beschreibt er sie, was lässt er sie sagen? An welchen Stellen und nach wieviel Sätzen schafft er den Übergang von einer konkreten Szene, vom Besonderen also, hin zum Allgemeinen?

Viele gute und preisgekrönte Texte finden sich auch im „Reporter Forum“ – nebst Tipps gegen Schreibblockaden, zur Recherche oder wie man gute Themen findet.