Fünf Schritte zum perfekten Video

„Ich bin Textmensch, aber ein Video selber machen …“ So richtig zufrieden sei sie mit bisherigen Ergebnissen nicht, schrieb eine Kollegin kürzlich auf LinkedIn. Auch ich hatte als „Zeitungskind“ (klassisches Volo bei einer Tageszeitung) immer riesigen Respekt vor Video und Fernsehen. Texte ich zuerst und suche dann die Bilder? Wo anfangen, wo aufhören? Deshalb hier ein paar Tipps.

Regel #1: Bewegtbild funktioniert anders als geschriebener Text

Denn: Die Bilder sind das bestimmende Element. Nach ihnen richtet sich der rote Faden und der Aufbau der Geschichte. Visuelles ist für unser Gehirn stets eindrücklicher als das gesprochene Wort. Deshalb „führt“ das Bild, Kommentar und Musik sind quasi nur „Diener“.

Wenn Du ein Video planst, musst Du also zuerst klären: Welche Motive, welche Bilder kann ich nutzen? Wie kann ich meine geplante Geschichte damit erzählen?

Zweiter Schritt: Entwickle einen Erzählsatz

Der Erklär- oder Erzählsatz macht klar, was die User/Zuschauer aus Deinem Video lernen sollen. Also etwa so: Der Zuschauer soll erfahren, was Netzneutralität bedeutet. Der Zuschauer soll lernen, wie man eine gute Instagram-Story baut. Der Zuschauer soll erfahren, was Parkour-Sport ist und wie man den ausüben kann.

Dieser Erzählsatz ist zum einen eine Hilfe, um Dich auf den Kerninhalt des Videos zu fokussieren und Nebensächliches auszusortieren. Außerdem hilft so ein Erzählsatz Deiner Kamerafrau oder dem Kameramann (falls Du diese hast), die passenden Motive zu finden.

Das Wichtigste: Forme eine Story

Nach dem Erzählsatz kannst Du den roten Faden für dein Video spinnen: Was sind die wichtigsten Dinge, wer die wichtigsten Akteure, die gezeigt werden müssen? Gibt es jemanden, den Du befragen willst? Solche O-Töne machen ein Video abwechslungsreicher, als wenn Du alles selbst erzählst.

Aus diesen Bild-Zutaten eine Geschichte zu formen ist der vielleicht wichtigste Schritt: Denn Videos – vor allem auch journalistische – erzählen meist eine Story, eine abgeschlossene Handlung. Bewegtbild funktioniert am besten mit Erzählstrukturen, die schon lange geläufig sind. Nicht jedes Ratgebervideo muss zur „Heldenreise“ werden – aber oft ist Storytelling doch ganz nützlich.

Ein gut strukturiertes Video erkennst Du unter anderem  daran, dass es auch ohne Ton eine Geschichte erzählt. Drücke beim nächsten Video doch mal die Stummtaste :-)! Ergeben die zusammengefügten Bilder auch dann noch einen Sinn?

Viertens: Schaffe Sequenzen!

Sequenzen kann man als Sinnzusammenhänge sehen. Beispiel: Wir sehen in einem Film Aufnahmen von einem Mann, der auf einem Weg entlangläuft, anschließend Bilder von einem Haus, dann dessen Haustür und schließlich in Großaufnahme die Hand des Mannes, die die Türklinke drückt. Ein logischer Zusammenhang entsteht – eine Sequenz, eine Abfolge von mehreren Bildern. Diese bildlichen Verbindungen schaffen quasi eine Geschichte – die eher im Gedächtnis bleibt als eine bloße Abfolge von Motiven.

Jetzt geht es ans Drehen – das wäre aber Thema nochmal für einen nächsten Artikel.

Fünfter Schritt: Texte nach Bild, und texte für Oma

Wenn’s ans Texten geht, denke daran: Der Textinhalt sollte dem Bild folgen. Das heißt jedoch nicht, dass man nacherzählt, was eh schon zu sehen ist. Fernseh- oder Video-Texte folgen meist dem Rhythmus, dass man den Bildinhalt mit ein-zwei Sätzen anspricht („Dies ist Frau X – sie lebt nahe der Trasse, wo künftig eine Autobahn entstehen soll…“), sich anschließend vom Bild etwas löst und Infos abstrakterer Natur folgen („Über die Trasse wird bereits seit Monaten gestritten…“). Nach dem Umschnitt auf eine neue Sequenz schließlich wird wieder konkret der Bildinhalt angesprochen („Hier, im Rathaus der Stadt, klingeln seit Tagen die Telefone wegen des Bauprojekts …“) – und so weiter.

Da das Bild „führt“, ist klar: Der fertige Text entsteht erst beim Schneiden des Videos. Vielen, die von Print oder Online kommen, fällt das Texten für Bewegtbild zu Beginn etwas schwer. Darum: Texte so, wie Du es deiner Oma erzählen würdest. Im Alltag erzählen wir meist aktivisch und in kurzen Sätzen – fürs verstehende Hören eben, wie es auch Videos erfordern. Weg mit Schachtelsätzen und Partizipialkonstruktionen!

Fürs Radio sollte kein Satz länger als 15 Wörter sein, heißt es – das trifft auch bei Videos zu. Beispiele gesucht? Lies etwas vom Schriftsteller Max Frisch: Seine Sätze umfassen manchmal nur ein Wort!

Und zum Schluss: Probiere aus!

Videos zu basteln macht riesigen Spaß – vor allem wenn Du auch ein bißchen experimentierst. Welche Erfahrungen mit dem Videomachen hast Du gesammelt? An welchem Punkt kann ich Dir helfen? Ich freue mich über Kommentare sowie Tweets (du findest mich unter Heiko_LE)!