Wie können Journalisten Pinterest nutzen, Benjamin Brückner?

Immer wieder macht Pinterest von sich reden: Durch rasant steigende Nutzerzahlen, eine hohe Nutzungsdauer und als neue Wunderwaffe für mehr Traffic. Doch was haben Journalisten von dem „Bildchen-Netzwerk“? Lohnt es sich, da aktiv zu werden? Auf alle Fälle, meint Benjamin Brückner. Er ist Content-Spezialist aus Leipzig, betreut Blogs und Social-Media-Auftritte für Unternehmen und hat Pinterest schon vor längerer Zeit für sich entdeckt. In seinen Artikeln auf Zielbar beschäftigt er sich oft mit der Plattform – und hat selbst ein sehr gepflegtes und gut geordnetes Pinterest-Board.  Wie man ein solches anlegt, erklärt er auch in der neuen „Hinhörer“-Podcast-Episode!

Benjamin Brückner
Benjamin Brückner ist Experte für Content-Marketing und hat als Journalist unter anderem beim MDR und dem Radiosender mephisto 97.6 gearbeitet. Für Freelancer veröffentlichte er den Ratgeber „Frei wie ein Vogel“. (Foto: privat)

Benjamin, warum sollten sich Journalisten Pinterest näher anschauen?

Ich denke es lohnt sich aus drei Gründen. Pinterest ist aus meiner Sicht eine der Plattformen, die am Privatmenschen am nächsten dran sind, weil dort deren persönliche Interessen eine zentrale Rolle spielen. Diese erstrecken sich über verschiedene Bereiche, von Rezeptideen über DIY hin zu Reisezielen. Man findet bei Pinterest also viel darüber heraus, was die eigene Leserschaft oder die eigene Zielgruppe interessiert.

Der zweite Grund, weshalb ich Journalisten Pinterest empfehlen würde: Sie können selbst dort publizieren bzw. auf ihre Arbeit aufmerksam machen. Sowohl auf Artikel als auch auf Videobeiträge. Die eigenen Pins werden auch in der Google-Bildersuche indexiert, das bringt nochmal eine gewisse Reichweite. Der dritte Vorteil: Pinterest ist ein hervorragendes Recherche-Instrument. Wir finden dort beispielsweise Infografiken und total geniale Content Pieces, die man so im Netz nicht in derart gebündelter Form entdeckt. Last but not least kann ich mich natürlich auch mit Branchenkollegen oder anderen Kontakten vernetzen.

Was ist denn Pinterest für ein Netzwerk, von wem wird es besucht?

Man muss sich Pinterest nicht unbedingt wie ein Netzwerk vorstellen, sondern eher wie eine gigantische Bilder-Suchmaschine. Dort pinnen Nutzer die Pins auf einer Art Pinnwand – wie man das früher mit Stecknadeln und Zettelchen gemacht hat. Es gibt sogenannte Boards: Pinnwände, die man als Nutzer anlegen und thematisch zuordnen kann. Dort kann ich entsprechende Pins zu meinen Interessen sammeln. Lange Zeit lautete das Vorurteil, dass Pinterest eine Plattform für gelangweilte Hausfrauen ist und nur die dort pinnen. Totaler Blödsinn. Da sind wirklich alle Leute aus sämtlichen gesellschaftlichen Schichten aktiv. Denn die Bandbreite an Interessen dort ist ein Spiegel des realen Lebens.

Ok, für Wohnthemen und Stylingtrends ist Pinterest sicher gut. Doch wie sieht es aus mit den Themen etwa für Lokaljournalisten?

Auch denen kann Pinterest nutzen. Es funktioniert ja wie eine Suchmaschine, ich kann als Publisher meine Pins mit Hashtags und Schlagworten versehen. Also auch der Lokaljournalist, der etwa eine Leipzig-Reportage macht und das Stichwort oder den Hashtag „Leipzig“ und „Reportage“ einbaut. Pinterest wirkt wie ein Traffic-Turbo: Wenn Nutzer meine Pins anklicken, ziehe ich sie quasi auf meinen gewünschten Kanal, von der Plattform weg. Und Pinterest hat einen entscheidenden Vorteil: Die Pins verschwinden nicht wie andere Social-Media-Postings nach einer gewissen Zeit – sondern sie zirkulieren über Monate oder Jahre. Sie verlieren also nie an Relevanz, wenn der dahinter stehende Inhalt noch interessant bleibt. Mit anderen Worten: Pinterest eignet sich eigentlich für jede Form des thematischen Journalismus.

Wer ist denn eigentlich alles schon auf Pinterest aktiv?

Es ist auf jeden Fall zu beobachten, dass immer mehr große Unternehmen aktiv sind auf Pinterest. Auch Medien wie der MDR, die BILD oder der NDR! Und einzelne Journalisten wie Christoph Koch oder Richard Gutjahr. Das alles ist natürlich noch ausbaufähig, denn die meisten Medienschaffenden konzentrieren sich nach wie vor auf Facebook, Twitter und Instagram. Aber eine wachsende Zahl hat eben inzwischen auch Pinterest auf dem Schirm.

Mal zu den Details: Wie genau kann ich auf Pinterest recherchieren?

Es gibt mehrere Wege. Entweder sucht man klassisch wie in Suchmaschinen oder wie bei Instagram mit Keywords oder Hashtags. Dann gibt es noch zwischen den Ergebnissen und meiner Eingabe weitere Schlagworte, die ich anklicken kann. Darüber hinaus erhalte ich Auto Suggests in Echtzeit bei der Suche, genau wie bei Google. Der Pinterest-Algorithmus bringt all diese themenverwandten Vorschläge. Und dann gibt es für die Recherche noch sogenannte Gruppen-Boards, die von mehreren Mitgliedern betrieben werden. Diese finden sich, wie auch andere Nutzer, über die Suche.

Wer noch keine Erfahrungen mit Pinterest hat: Wie sollten die ersten Schritte aussehen?

Erstmal würde ich einen Unternehmens-Account einrichten. Der hat gegenüber dem privaten Account den Vorteil, dass man mehr Zugriffe auf bestimmte Funktionen bekommt. Ich erhalte zum Beispiel Einblick in Pinterest Analytics. Das finde ich sehr wichtig, weil man später die Performance der eigenen Pins messen kann. Der Unternehmens-Account ist übrigens kostenlos.

Noch ein Tipp: Seit Februar 2019 gibt es etwas, was den Business-Account noch wertvoller macht. Pinterest hat seine Werbefunktion für deutsche Nutzer freigeschaltet. Pins lassen sich ab sofort also gezielt bewerben, was für Medienhäuser hochinteressant sein dürfte.

Im zweiten Schritt geht es darum, Boards für meine Themenschwerpunkte anzulegen, auf denen ich später Pins sammle. Die würde ich als „geheim“ anlegen, so dass sie erstmal nicht zu sehen sind. Das hat folgenden Hintergrund: Wenn mein Profil noch relativ frisch ist und die Boards gerade erst angelegt wurden, sind sie meist noch ziemlich leer. Das ist für Besucher nicht so ansehnlich. Geheime Boards sind dagegen unsichtbar, und ich kann sie in aller Ruhe befüllen.

Und dann beginnt man, Pins zu den verschiedenen Boards zu sammeln. Nehmen wir an, ich wäre Reise-Journalist mit dem Schwerpunkt Zentralafrika. Dann ist es sinnvoll, sich eine Pinnwand anzulegen vielleicht mit Lodges oder Safari oder ähnlichem. Dann sollte ich fremde Pins sammeln, aber auch eigene Pins erstellen. Um dafür Designvorlagen zu schaffen, gibt es kostenlose Tools wie etwa Canva.

Und dann ist es sinnvoll wenn ich einen Mix fahre. Die Pinterest-Expertin Alexandra Polunin empfiehlt, dass etwa die Hälfte der Pins, die man am Tag sammelt, eigene sein sollten und die andere Hälfte fremde Pins. Sprich fünf eigene Pins am Tag und fünf fremde aus dem Netzwerk sammeln. Wenn pro geheimem Board neun bis elf Pins gesammelt sind, kann man sie öffentlich zeigen.

Das hat zwei Effekte: Zum einen speise ich meine Pins in die Plattform ein. Zum anderen interagiere ich mit den Pins anderer Nutzer, was diese auf mich aufmerksam macht. So folgen mir mit der Zeit auch andere Mitglieder, was wiederum die Reichweite meiner eigenen Pins erhöht. Auf Pinterest geht es also ums kollegiale Geben & Nehmen.

Welche „Pflegetipps“ hast du für den Pinterest-Auftritt?

Am besten sollte man täglich pinnen – und immer dranbleiben. Ich poste zum Beispiel an einem Tag meist einen eigenen Pin und ein paar fremde Pins. Auf lange Sicht kann man so Betrachter auf sich lenken. Man selbst sollte auch anderen folgen. Das aber bitte nicht blind tun, sondern wirklich nur bei Accounts, wo man sieht, da ist Bewegung drin, das ist seriös.

Da liegt nämlich eine große Gefahr bei Pinterest: Dass man einfach blind Pins re-pinnt. Ich mache es so, dass ich manuell wirklich bei jedem Pin schaue, wer die Quelle ist und ob guter Inhalt dahintersteckt. Man möchte ja nicht, dass die eigenen Profilbesucher in die Irre geführt werden oder unseriösen Content finden. Das färbt sonst auf den eigenen Account ab.

Wie sollten meine Pins aussehen?

Wichtig ist bei Pins, dass auch auf Mobilgeräten deren Schrift erkennbar ist, alles sollte leserlich und groß genug sein. Es müssen auch nicht immer Bilder im Hintergrund sein! Manchmal kann der Hintergrund auch einfarbig sein, mit einer attraktiven Schrift drauf. Ganz wichtig: Bei einem Pin muss sofort klar sein, worum es geht. Keep it simple!

Wie viel Zeit wendest du für deinen Account auf?

Ich selbst nehme mir 40 bis 45 Minuten am Tag Zeit für meinen Pinterest-Account. Vor allem für die Gruppen-Boards, denn das sind die Orte, an denen die Magie passiert: Weil sich hier Menschen gebündelt zusammenfinden, die ein gemeinsames Interesse teilen. Und wenn man dort seine Pins akzentuiert platziert, dann bereichert das die Gruppe. Hier sollte man sich die Zeit nehmen, um den Administrator anzuschreiben und höflich um Teilnahme zu bitten. Die einzelnen Gruppen-Boards haben auch Regeln. Etwa dass man für jeden eigenen Pin auch einen fremden Post repinnt – damit der Netzwerk- Gedanke gepflegt wird. Diese Zeit sollte man sich nehmen. Es gibt auch kostenpflichtige Tools zum automatischen Pinnen, wie Tailwind.

Für wen – außer Journalisten – würde sich Pinterest denn noch empfehlen?

Ich denke für jeden, der ein Einzelunternehmer ist, aber auch für große Unternehmen und Medienhäuser. Vor allem wenn sie den Endverbraucher adressieren wollen mit seinen privaten Interessen. Jeder weiß wie schwierig es heutzutage ist, Aufmerksamkeit und Leser zu bekommen. Pinterest ist ein Weg dorthin und dementsprechend natürlich auch für Blogger empfehlenswert!

Für alle Pinterest-Beginner: Alle Schritte, wie man einen Account anlegt, kannst du in Benjamins Tipps zum Pinterest-Marketing nochmal genau nachlesen – und er hat auch ein Video dazu gemacht! Er ist natürlich auch auf Twitter aktiv und hat sein eigenes Blog. Zum Thema Pinterest für Selbstständige hat er für ZIELBAR gerade ein Interview mit Alexandra Polunin geführt. Sie ist derzeit DIE Pinterest-Versteherin in Deutschland – und auf ihrem Blog erfährst du noch viel mehr über das Netzwerk. 

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