Wie sich Lokaljournalismus ändern muss, #deutschlandspricht und Radioprobleme: Die Lieb-Links vom Juni

Lieber Blogleser, liebe Blogleserin, auch im Juni gab’s Artikel zum Thema Medien sowie gute Reportagen, die zu schade sind, um sie in der Infoflut untergehen zu lassen.

So zur Vertrauenskrise des Journalismus: Schon oft bejammert und analysiert. Der Deutschlandfunk hat mehrere Studien dazu unter die Lupe genommen. Fazit: Mehr Distanz zu den Mächtigen würde gut tun. Journalisten sind mittlerweile zu oft Teil der Elite. Zudem kommen zu viele Themen „von oben“, doch zu wenige „von unten“ in die Agenda. Also: Arbeiter und Bauern in die Redaktionen! Oder wie früher in der DDR Volkskorrespondenten heranziehen. Der ganze Artikel dazu hier.

Volkskorrespondenten im Leipziger Ratskeller 1952. Quelle: Deutsche Fotothek
Volkskorrespondenten wurden in der DDR oft die freien Mitarbeiter der Lokalzeitungen genannt: Eine wichtige Form der Massenverbindung des sozialistischen Journalismus, wie es damals hieß. Hier ein Lehrgang in Leipzig 1952. (Quelle: Deutsche Fotothek‎ [CC BY-SA 3.0 creativecommons.org, via Wikimedia Commons])
Dazu passt auch ein Blogartikel von Nicola Wessinghage zur ZEIT-Aktion #deutschlandspricht. Hier sollten Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Ansichten ins Gespräch kommen: Auch Chefredakteur Jochen Wegner hatte ein solches Treffen. Sollte das Gespräch mit Leuten aus dem „normalen Volk“ aber nicht eigentlich normal sein für Journalisten, fragt Nicola Wessinghage – und sieht Schwächen im Artikel Wegners über seine Begegnung.

Gefällt Dir eigentlich das Lokalblatt in Deinem Ort – oder langweilt es Dich? Bejamin Piel von der Elbe-Jeetzel-Zeitung geht mit seiner Sparte hart ins Gericht: Stil und Sprache im Lokaljournalismus seien manchmal so erwartbar wie Nonnen im Kloster. Er stellt fünf Thesen auf, wie sich Lokaljournalismus ändern muss. Termine sind Gift, und Journos sind keine Pfarrer: Sehr lesens- und überdenkenswert!

Auch beim Radio muss sich einiges tun: Inge Seibel, Mitglied in der Grimme-Jury zum Deutschen Radiopreis, lässt auf Ihrem Blog einen Kritiker zu Wort kommen. Der meint: Recherche tut not – genau. Und vielleicht auch ein Musikmix, der mal überrascht.

Über die wunderbaren Infografiken der BBC zur Wahlnacht in Großbritannien habe ich ja bereits hier im Blog geschrieben. Das Brandunglück im Grenfell Tower hat die BBC ebenfalls vorbildlich in Grafiken erklärt: Warum wirkte die Verkleidung des Wohnblocks wie ein Brandbeschleuniger? Wie sah eine typische Wohnung im Haus aus? Welche sozialen Probleme hat das Viertel? Hier kann man sich ein detailliertes Bild machen – gelungener Datenjournalismus!

Politik lebt ja oft auch von Symbolen – und für viele sprach der Hut der Queen während ihrer Thronrede Bände. Ein Zeichen für Europa – darüber war man sich bei Twitter einig. Wer das Prachtstück noch nicht gesehen hat:

Zum Schluss noch ein Blick in den Tagesspiegel: Der zeigt mit Der härteste Baum von Berlin, was eine gute Reportage ist: Dramatischer Einstieg, ungewöhnlicher Hauptheld, brilliante Beobachtungen und der Rückschluss vom kleinen Detail auf’s große Ganze, auf die Gesellschaft. Preisverdächtig und unbedingter Bestandteil des nächsten Text-Workshops.

Was ist Dir in diesem Monat an interessanten Artikeln so untergekommen? Schreib es hier in die Kommentare oder schicke einen Tweet! Gute Zeit beim Lesen und einen wunderbaren Juli!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s