Aufruf zur Blogparade: Journalismus studieren – ja oder nein?

Die Frage ist fast so alt wie die nach Henne und Ei und immer wieder wird diskutiert darüber. Vor kurzem fragte mich eine Gymnasiastin, welche Praktika ich empfehlen könnte für einen guten Einstieg in die Medien. Hier fiel mir die Antwort leicht. Aber ob ich die Frage nach einem Journalismus-Studium so leicht hätte beantworten können, bin ich mir nicht sicher.

Bei Juristen, Biologen oder Marketingmanagern würde keiner auch nur auf die Idee kommen, ein entsprechendes Studium in Frage zu stellen. Beim Journalismus aber schon. Einem Gebiet, das sich immens wandelt und in dem Kenntnisse und Fertigkeiten aus vielen Bereichen gefordert sind: Denn als Redakteur darf man auch oft Techniker, Fotograf oder Social Media Manager sein und dazu noch einiges vom Presserecht wissen. Reicht eigentlich für ein Studium, oder?

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Journalismus studieren – oder besser doch etwas anderes wie Anglistik, BWL oder Chemie?

Die Nein-Argumente

Seitdem ich für mein Blog Kollegen nach ihren Tipps für junge Journalisten frage, hat jedoch kaum einer mal den Studiengang Journalismus empfohlen. Eher rieten einige explizit davon ab, etwa Sidney Gennies vom „Tagesspiegel“. Was einiges ahnen lässt hinsichtlich der Tauglichkeit und Praxisnähe, die man den Studiengängen zuschreibt – oder aber hinsichtlich der Personalpolitik in den Medienhäusern. Beim Blick in die Redaktionen, für die ich regelmäßig arbeite, fällt mir auf: Es gibt viele Juristen, Betriebswirtschaftler, auch Slawisten. Die können natürlich punkten mit ihrer Fachkenntnis, wenn Firma XY ihren neuen Geschäftsbericht veröffentlicht oder wenn Interviews und O-Töne aus dem Russischen zu übersetzen sind.

Kollegen mit einem Magister oder Diplom in Journalismus hingegen sind eher selten. Schreiben, Recherchieren, gute Themen finden: Das wird am besten in der Praxis und im Volontariat erlernt, so ist wohl die Überzeugung vieler.

Die Ja-Argumente

Gleichzeitig aber sprießen an Unis, Fachhochschulen und Akademien schon seit Jahren die Journalismus-Studiengänge aus dem Boden. Es gäbe wohl kaum so viele, wenn niemand zu einem solchen Studium raten würde. Ich selbst habe an der TU Dresden Kommunikationswissenschaften studiert: Wir lernten Grundlegendes über Meinungsforschung, das Mediensystem Deutschlands sowie über Statistik. Dinge also, die jeder Medienmacher wissen sollte – und die ein Volontariat nur selten in der Tiefe abdeckt. Aber dies war Kommunikationswissenschaften, nicht Journalismus. Außerdem konnten wir in einem Lehrprojekt beim Lokalfernsehen Programm machen. Das war damals, Mitte der 1990er, noch selten: Unser „035eins“-Magazin war das erste ostdeutsche Studentenmagazin im Fernsehen. Ohne „035eins“ und all die anderen Lehrredaktionen und Uniradios, die es ohne entsprechende Studiengänge nicht geben würde, wäre der Weg in die Medien für viele wohl schwerer.

Wobei man bei den Journo-Studiengängen auch sortieren muss: Die Absolventen, nach denen sich alle Redaktionschefs die Finger lecken, kommen nur von einer Handvoll Unis und Fachhochschulen.

Und jetzt ihr!

Jetzt würde ich gern von Euch wissen: Journalismus studieren – Ja oder Nein? Was spricht für ein solches Studium, was dagegen? Warum sind Journalismus-Studiengänge in der eigenen Zunft umstritten? Wie sind Eure Erfahrungen, falls Ihr einen solchen Studiengang absolviert habt? Und was haben Eure Kollegen studiert?

Schreibt bis zum 21. November, was Euch dazu bewegt. Egal, ob Artikel, Tweet, Foto oder Video. Verlinkt oder erwähnt dabei bitte diese Blogparade :-). Postet einen Link zu Euren Blogbeiträgen hier als Kommentar zu diesem Artikel. Dazu gibt es dann auch einen Tweet von mir. Wer kein eigenes Blog hat, kann auch gern einfach hier in die Kommentarbox schreiben. Am Ende der Blogparade folgen ein Fazit und die Zusammenfassung. Vielen Dank an alle, die mitmachen! Übrigens: Eine gute Übersicht zu Studienfächern rund um das Thema Medien gibt es bei studis-online sowie studicheck.de

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11 Gedanken zu “Aufruf zur Blogparade: Journalismus studieren – ja oder nein?

    • medienpraxis 21. November 2016 / 11:22

      Vielen Dank, Timo :-)!

      Gefällt mir

  1. medienpraxis 21. November 2016 / 11:23

    Vielen Dank auch an alle anderen, die bisher hier mit geschrieben haben! In den nächsten Tagen kommt die Zusammenfassung.

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