„Eigene Medien werden sich durchsetzen“: Vier Tipps für freie Journalisten von Peter Stawowy („Flurfunk Dresden“)

An ihm kommt man als Journalist zumindest in Mitteldeutschland kaum vorbei: Der Dresdner Peter Stawowy hat mit seinem Flurfunk-Blog ein passables Portal geschaffen für alles Wichtige zum Thema Medien. Wo Stellen wegfallen, wer bald für welches Ministerium spricht – was sich in Redaktionen, Agenturen und Pressestellen der Region tut, weiß der selbständige Medienberater oft früher oder genauer als andere.

Peter Stawowy ist selbständiger Medienberater und betreibt das "Flurfunk"-Blog. (Foto: André Forner)
Peter Stawowy ist selbständiger Medienberater und betreibt das „Flurfunk“-Blog. (Foto: André Forner)

Der 43-jährige, der vorher u.a. für den kressreport schrieb, den SPIESSER zur bundesweit gelesenen Jugendzeitschrift machte und als Studi ein Uniradio gründete, berät vor allem Behörden und Verlage in puncto Kommunikation. Wer seine Fühler so dicht an den Medienchefetagen hat: Was rät der jungen Einsteigern? „Man sollte sich keinen Illusionen hingeben, freier Journalist zu werden ist ein harter Lernprozess“, meint Peter und nennt vier wichtige Tipps für frische Freie.

1. Das Handwerk lernen! Eine solide Redakteursausbildung ist ein Muss – und im Studium besser ein Fachthema wählen als direkt Journalismus. Der geradlinige Karriereweg in eine Redaktion wird jedoch seltener. Wenn es damit nicht klappt – in Medien gibt es noch weit mehr Berufsbilder als nur den Redakteur. Bei der Ausbildung und Suche nach Praktika sollte man sich an der „Championsleague“ im Medienbiz orientieren – den Öffentlich-Rechtlichen Anstalten, den großen Lokalzeitungen, der Süddeutschen oder FAZ.

2. Wirtschaftlich denken! „Auch in den Medien geht es letztendlich nur ums Geld, und ich bin immer wieder überrascht, wie wenig Journalisten sich dessen bewusst sind“, so der Medienberater. Viele seien sich unsicher, welchen Tagessatz sie verlangen könnten und würden zu wenig perspektivisch denken. „Von Zeit zu Zeit die eigene Qualifikation abfragen, einen angemessenen Honorarsatz festlegen – und auch mal Nein sagen, wenn der gebotene Verdienst zu niedrig ausfällt“, rät Peter Stawowy. Diese Art von Selbstbewusstsein kann man sich insbesondere dann leisten, wenn von einem Auftraggeber angesprochen wird. „Das heißt ja nix anderes, als dass man schonmal ausgewählt wurde.“

3.Eigene“ Medien werden sich über kurz oder lang durchsetzen – ob nun in Form von Blogs oder facebook-Seiten von Journalisten. „Die Gesellschaft schaut auf die Journalisten, die Substanz und etwas zu sagen haben“, begründet der Medienberater seine Vermutung. „Zudem ist unklar, wie der Lokaljournalismus sich weiterentwickelt.“ Blogs als Marketinginstrument, um fürs eigene Handwerk zu klappern, können gar nicht wichtig genug eingeschätzt werden.

4. Es gibt nicht die Nonplusultra-Nischen für Freie – besser die eigene Expertise stärken! Eine simple Weisheit, die aber stets zählt: „Man kann nur da gut sein, wo man sein Herz hat“, betont Peter Stawowy. Er habe schon viele Projekte scheitern sehen, die eher vom Wunsch nach großer Reichweite als substantiellem Interesse getragen waren.

Peter Stawowy ist – neben dem Flurfunk-Blog und dem Blog seiner Agentur – natürlich auch auf facebook, Twitter und Google+ zu finden.

Tipps für frische Freie gab es schon vom Social-Media-Chef der WELT, Martin Hoffmann, von netzfeuilleton-Autor Jannis Kucharz, von“Lousypennies”-Blogger Karsten Lohmeyer, Andreas Rickmann, Konrad Weber und Martin Giesler, Fabian Biastoch, Jan Söfjer und Jola ZielinskiKlaus BardenhagenRico Grimm, Fanny Facsar sowie Timo Stoppacher und Bettina Blass. Was würdet Ihr denn neuen Freelancern raten? Oder seid Ihr selbst grad am Start und habt Fragen? Kommentiert, twittert oder mailt: @heiko_LE bzw. medienpraxis at gmx minus topmail punkt de.

Advertisements

5 Gedanken zu “„Eigene Medien werden sich durchsetzen“: Vier Tipps für freie Journalisten von Peter Stawowy („Flurfunk Dresden“)

  1. Hartmut 15. März 2015 / 11:39

    Ein interessanter Beitrag! Ich denke auch, dass Blogs und kleine Online-Magazine als Alternative zu den etablierten Medien eine Zukunft haben. Meines Erachtens haben Projekte in diesem Bereich dann eine Chance, wenn drei Dinge zusammenkommen: 1. Der Blogger sollte in seiner Nische ein anerkannter Experte sein und über hervorragende Kontakte verfügen. 2. Die Themen des Blogs müssen eine hinreichend breite Leserschaft erwarten lassen. 3. Die Leserschaft/Community sollte als Zielgruppe für zahlungskräftige Werbepartner interessant sein.

    Gefällt mir

    • medienpraxis 15. März 2015 / 21:05

      Hallo Hartmut, vollkommen korrekt, gebe Dir in allen drei Punkten Recht. Und würde gern noch um einen vierten Punkt ergänzen: Die Blogs und Online-Magazine müssen bekannt gemacht werden – denn die Nachrichten müssen ihre Leser finden. Über Social Media-Netzwerke, bei XING oder indem man sich Bloggernetzwerken wie Blogbox anschließt.

      Gefällt mir

  2. Evy 11. April 2015 / 16:13

    Zu Punkt 4: Ich hab aber auch viele Blogs/Künstler mit guten Ideen scheitern sehen. Einerseits unterschätzt man den Aufwand, den man betreiben muss und hofft, es mit einem Tweet zu viel Ruhm zu bringen. Andererseits haben viele Leute einfach Angst. Sein wir mal ehrlich: Wenn ich genügend Selbstbewusstsein hätte, dann würde ich in der Realität brüllen, viele Kontakte knüofen etc. Da mir das Risiko zu scheitern aber zu groß ist, mache ich das im Kleinen digital und hoffe, dass alles von selber läuft. Obwohl vermutlich erst Fans entstehen, wenn man etwas macht. Manchmal ÜBERSCHÄTZEN Leute auch den Aufwand – sie denken, sie müssen ständig online sein. Oder sie bemerken nicht, dass sie ne Community haben, die sie mit Infos versorgen müssen…

    Zu 3.: Ich bezweifle das. Ich bin keine Journalistin, aber ich denke, dass Leser Medien vertrauen müssen. Und das sind momentan noch Medien, die sich etabliert haben und auf mehreren Kanälen auftauchen. Außerdem muss sich die Spreu vom Weizen trennen, während ständig neues Material nachrutscht….

    Gefällt mir

    • medienpraxis 11. April 2015 / 21:00

      Hallo Evy, das ist für alle Blogger die große Frage: Welche Themen will die Welt wirklich lesen, interessiert das, was ich schreibe? Mit Twitter hat man eine schnellere Erfolgskontrolle, ob die eigenen Inhalte ankommen. Deshalb ziehen einige diese Form des Bloggens vor (denn Twitter ist ja im Prinzip eine Form des Mikrobloggings). Man kann schneller veröffentlichen, sich schneller vernetzen und einen Gedankenaustausch aufbauen. Gerade bei Medienthemen bietet sich Twitter als gute Plattform an. Ernsthaft betrieben kostet Bloggen einiges an Zeit – denn regelmäßig gute Inhalte veröffentlichen macht man nicht mal so nebenbei.

      Zu Punkt 3: Sicher bleiben die etablierten Medien, denen die Leser vertrauen, uns noch eine ganze Weile erhalten. Doch: Viele Lokalzeitungen z.B. müssen/wollen Kosten sparen, schließen Redaktionen oder dünnen ihr Personal aus. Folge: Die Berichterstattung wird (meist) schlechter, es werden aus Zeitmangel weniger eigene Themen gesetzt. Dies könnte die Chance lokaler Blogger sein. Und wer sagt, dass unter ihnen nicht vielleicht die besseren Schreiber sind?

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s