Als Journalist starten: Tipps für frische Freie – diesmal von Martin Hoffmann (DIE WELT)

„Streams are my reality“ ist Martin Hoffmanns Spruch, und verbunden mit dem Web hat auch sein Weg als Redakteur begonnen: 2006 startete er sein Onlinejournalismus-Studium. Danach Praktika, ab 2010 MDR-Volontariat, anschließend Social-Media-Conceptioner beim MDR in Magdeburg. Seit September ist er Leiter Social Media bei der WELT in Berlin, zwischendrin wurde er vom medium magazin noch zu einem der „Top 30 bis 30“-Journalisten ernannt. Große Stories, investigative Recherchen? Nein, seinen Platz sieht er woanders: „Mich reizt eher das strukturelle Denken, dass ich die Grundzüge einer Story entwerfen kann und wie sie dann in verschiedenen Medien erzählt wird“, sagt er. Dass er in kurzer Zeit so weit gekommen ist, schiebt Martin vor allem auf seine Online-Begeisterung. Vielleicht hat er deshalb gleich im ersten Anlauf ein Volontariat bekommen – und konnte sich mit anderen MDR-Kollegen 2013 den Bremer Fernsehpreis teilen für die beste crossmediale Innovation, das Twitter-Projekt @9Nov89live.

„Sofort mit Twittern beginnen“ – das ist auch sein erster Tipp für frische Freie. „Twitter ist ein sehr gutes Tool für die Vernetzung und den Blick über den Tellerrand“, ist Martin überzeugt. Nebenher entwickle man ein gutes Gefühl dafür, über welche Themen im Netz geredet wird.
Genauso wichtig sei es, Verbündete zu suchen. „Egal wie gut man ist, man braucht die Hilfe von Kollegen, die in der Hierarchie ein-zwei Stufen höher stehen und in einer Chefrunde auch mal ein Machtwort zugunsten eines Projektes reden können.“ Viele unterschätzten, wie wichtig dies sei, meint der 28-jährige. Ebenso bedeutend seien immer wieder frische Kontakte mit Menschen aus anderen Berufsgruppen. Programmierer, Grafiker, Ärzte, Lehrer können Hinweise darauf liefern, wie Journalisten ihnen bei der Problemlösung helfen könnten. „Den Puls der Straße spüren und nicht im Elfenbeinturm versacken“ – Barcamps, Konferenzen und andere Veranstaltungen seien dafür ideal.

Martin Hoffmann ist seit kurzem Social Media-Chef bei der WELT in Berlin (Foto: privat).
Martin Hoffmann ist seit kurzem Social Media-Chef bei der WELT in Berlin (Foto: privat).

Vorangebracht haben ihn vor allem auch die Projekte, die neben der Uni laufen, betont Martin. Egal ob Fachstudium oder direkt Journalismus: In Praktika, Projekten und Veranstaltungen sammle man oft mehr Erfahrungen und interessante Kontakte als etwa in Vorlesungen. „Dafür sollte man sich Zeit freischaufeln“, rät er – und wenn man Bier trinken gehe, dann mit einem interessanten Gesprächspartner. Und: Medienpreise und Stipendien nicht vergessen! Sie machen den Lebenslauf interessant, und die Chancen seien groß, da die Zahl der Bewerber oft überschaubar sei.

Wer im Journalismus gut Fuß fassen will, sollte sich auf einen immer individuelleren und präsenteren Medienkonsum einstellen. Filter und Algorithmen füttern den User mit maßgeschneiderten News, welche durch Google Glass-Brillen oder in Spiegel integrierte Nachrichtenticker bald überall verfügbar werden. Journalisten müssten ihre Geschichten künftig noch stärker dem jeweiligen Medium anpassen, so Martin Hoffmann: „Wir brauchen mehr responsives Storytelling, nicht unbedingt mehr responsives Design.“ Hier entwickele sich viel, und wer sich auf dem Feld einarbeitet, hat gute Chancen als Experte gehandelt zu werden.

Neben journalistischen Skills empfiehlt Martin Hoffmann Grundkenntnisse in Programmierung: „Nerds spielen eine immer größere Rolle in der Gesellschaft, und um sie zu verstehen, sollte man ansatzweise wissen, worüber sie sprechen.“ Ihm selbst haben dabei Lernplattformen wie code academy oder eine Artikelserie zur HTML-Programmierung geholfen, die vor Jahren die Computer-BILD rausbrachte.

Martin Hoffmann hat natürlich sein eigenes Blog, und ihr findet ihn unter anderem auch auf Twitter, facebook, tumblr, Instagram, Pinterest sowie Xing.

Tipps für frische Freie gab es schon von netzfeuilleton-Autor Jannis Kucharz, von “Lousypennies”-Blogger Karsten Lohmeyer, Andreas Rickmann, Konrad Weber und Martin Giesler, Fabian Biastoch, Jan Söfjer und Jola ZielinskiKlaus BardenhagenRico Grimm, Fanny Facsar sowie Timo Stoppacher und Bettina Blass. Was würdet Ihr denn neuen Freelancern raten? Oder seid Ihr selbst grad am Start und habt Fragen? Kommentiert, twittert oder mailt: @heiko_LE bzw. medienpraxis at gmx minus topmail punkt de.

 

 

 

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3 Gedanken zu “Als Journalist starten: Tipps für frische Freie – diesmal von Martin Hoffmann (DIE WELT)

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