Instagram: Wie Journalisten es nutzen können

China blockiert Instagram, hieß es am Montag. Viele werden sich gewundert haben, dass das Bildernetzwerk in Peking plötzlich als politisch gefährlich gilt. Zugegeben, ich habe Instagram auch lange eher für eine Schnappschuss- und Selfie-Plattform gehalten. Doch es gibt jede Menge gute Fotos, und für Journalisten kann der Kanal mittlerweile als Recherchequelle ganz interessant sein – schon allein wegen der schieren Zahl von etwa 60 Millionen Bildern, die laut Instagram täglich hochgeladen werden.

Das macht die Plattform etwa für’s Verifizieren von Infos interessant. Beispiel: Buzzfeed entdeckte Ende Juli Fotos eines russischen Soldaten als möglichen Beleg dafür, dass Moskauer Truppen auf ukrainischem Boden operieren. Die Fotos hatten ein entsprechendes Geo-Tagging.

Auch Pressearbeit wird bei Instagram inzwischen gemacht: Barack Obama hat einen Account, auch offizielle Fotos vom NATO-Gipfel in Wales wurden geteilt. Und man kann sich den eigenen Nachrichtenstream basteln: Meiner besteht aus BBC und CNNReuters, den „heute“-Nachrichten, National Geographic und Buzzfeed. In Deutschland betreiben noch eher wenige Medien einen Instagram-Account, die Briten sind wie immer Vorreiter, ebenso US-Medien wie NowThisNews. Was das Fototool vor allem jedoch für’s Marketing und die Werbung interessant macht: Anders als bei Facebook wird kein Eintrag „verborgen“, jedes Foto ist sichtbar. Und der Instagram-User interagiert häufiger – er ist der King of Social Engagement.

BBC News auf Instagram
Die Krux: Instagram ist eine Anwendung rein für mobile Geräte – Medienhäuser können die Streams beispielsweise nicht in ihre Websites integrieren.
Was aber noch schwerer wiegt: Das Bilderportal ist schlecht durchsuchbar. Es gibt keinen Algorithmus wie bei Google. Wie bei Twitter werden Hashtags benutzt, und nur anhand dieser Begriffe kann gesucht werden. Zwei Begriffe zu kombinieren ist nicht möglich, Suchergebnisse lassen sich auch nicht ordnen. Wer zu einem bestimmten Hashtag regelmäßig Updates sehen will, kann dafür das Onlinetool picdeck nutzen. Und Inhalte zu teilen ist schwierig – dazu braucht es eine zusätzliche App wie etwa InstaRepost. Außerdem: Instagram gehört zu facebook. Vorsicht mit den eigenen Daten ist ratsam.

Dennoch lohnt es sich für Journalisten, Instagram auch beruflich einzusetzen: Vor allem natürlich für Kollegen mit Fototalent wie etwa Bettina Blass, die bereits auch Workshops über Instagram-Fotografie angeboten hat. Für Mode-, Reise- oder Naturblogger gibt es kaum eine bessere Plattform für’s schnelle Bearbeiten und Posten von Fotos, denn Instagram ist wirklich kinderleicht zu bedienen. Welches Potential in dem Netzwerk steckt, zeigt der Journalist Abdullah al Jumah. Der Saudi, der über seine Europaerlebnisse ein Buch schrieb und kürzlich durch Lateinamerika gereist ist, hat inzwischen mehr als 255.000 Follower.

Noch mehr zu Instagram? Der US-Journalist John Paul Titlow beschreibt bei Readwrite, wie er die Plattform nutzt, Betty Paton hat in ihrem Artikel viele Recherchelinks gesammelt, und Tipps zum Hashtag-Einsatz und zur Recherche gibt es hier.

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