Blogparade: Was Journalisten heute lernen müssen

Was müssen Journalisten heute alles lernen und können? Diese Frage stellt sich derzeit fast jeder Medienmacher, und Timo Stoppacher hat auf fitfuerjournalismus.de zur Blogparade dazu aufgerufen. Einige Kollegen wie Karsten Lohmeyer oder Sandra Sperber haben schon geantwortet – hier ein paar Ideen von mir.


Wird über modernen Journalismus geredet, fallen meist sofort die Stichworte Twitter, Facebook oder Instagram. Ohne geht nicht mehr, das hat schon vor drei Jahren der damalige BBC-Newschef seinen Mitarbeitern klargemacht. Man muss aber kein Social Media-Fetischist werden und jeder digitalen Sau durchs Dorf hinterherrennen (Mal ehrlich, wie viele kennen sich gut bei Rebelmouse aus oder bei Pinterest?) – doch man sollte die wichtigsten Plattformen ausprobieren. Auch weil es Spaß macht! Auf Timos Frage, ob unsere Zunft angesichts von Datenjournalismus auch das Programmieren lernen sollte, weiß ich keine eindeutige Antwort. Ich kenne Fälle, wo dieses Know-how zu einem Volo bzw. einem Auftrag verholfen hat. Eine zusätzliche Qualifikation also, die – ähnlich wie gutes Fotografieren oder VJ-Fähigkeiten – hier und da nützlich sein kann. Andererseits sind gute Journalisten, die gleichzeitig auch gute Programmierer sind, sicher (noch) die Ausnahme. Vielleicht sollte man zumindest einen guten Programmierer kennen :-). Ein gewisses Technikverständnis sollten Journalisten sowieso mitbringen: Denn im Redaktionsalltag spielen technische Fragen und Abläufe seit Jahren eine immer größere Rolle.

Immer wieder wird darüber lamentiert, dass den Tageszeitungen die Leser weglaufen. Einige Blätter haben inzwischen zu dem zurückgefunden, was den Reiz des Journalismus ausmacht: Vermehrt eigene Geschichten aufspüren, die es anderswo so nicht gibt. Es mag sehr simpel klingen, aber trotzdem sei es nochmal gesagt: Journalisten sollten noch viel stärker die Augen offenhalten, in fremde Milieus eintauchen, mit dem Flaschen sammelnden Mann aus dem Park reden. „Fahrt mal wieder mit der Straßenbahn“, soll ein Zeitungschef mal seine Redakteure angebläfft haben, die jeden Tag in ihren Autos anrollten und aus seiner Sicht zu wenig Ideen mitbrachten. Es gibt unzählige interessante Menschen direkt nebenan – Blogs wie weltnest aus Leipzig oder das Londoner spitalsfieldlife schreiben über sie und gewinnen viele Leser.

Was Journalisten außerdem nicht verlernen dürfen: Kritisch zu sein. „Zweifle an allem, wenigstens einmal“, so ein Spruch, der in einer Redaktion früher mal an der Tür hing. Dinge zu prüfen, zu hinterfragen wer aus bestimmten Prozessen oder Ereignissen einen Nutzen zieht – dafür bleibt oft wenig oder keine Zeit. Doch genau aus diesen Fragen ergeben sich die spannenden, die wirklich journalistischen Stories.

Jeder, der im Journalismus Fuß fassen will, wird an irgendeinem Punkt zudem merken, welche Rolle „Vitamin B“ spielt. Das Netzwerken zu beherrschen ist in einer Branche, in der es weit mehr Bewerber als Aufträge und Jobs gibt, mehr als wichtig. In vielen Redaktionen zählen nicht allein gute Recherchen oder Themenideen – sondern auch wie einer ins Team passt, wie er im Kollegenkreis verankert ist und was der Chef auf ihn hält.

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7 Gedanken zu “Blogparade: Was Journalisten heute lernen müssen

    • medienpraxis 10. Dezember 2013 / 15:58

      Hallo Timo,

      aber immer wieder gern! Die Blogparade hat ja inzwischen einige unterschiedliche Facetten bekommen. Hoffe, das hilft Dir für Deinen DJV-Artikel!

      Beste Grüße,

      Heiko

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  1. Johanna 27. Dezember 2013 / 09:50

    Hallo,

    ich möchte mich auch für diesen interessanten Artikel zu diesem schwierigen Thema bedanken.
    Ich denke auch, dass sich in den nächsten Jahren das Berufsbild des Journalisten weiter wandeln wird. Social Media und weitere Onlinetrends werden sicher auch in der Zukunft den Journalismus beeinträchtigen, jedoch glaube ich nicht, dass Zusatzqualifikationen, wie Programmierkenntnisse für Journalisten in der nahen Zukunft eine wichtige Rolle spielen.
    In Ausnahmefällen können solche Qualifikationen vielleicht hilfreich sein aber das breite Spektrum wird sichv ermutlich eh im Bereich der Massenplattformen bewegen und hier sind meiner Meinung nach Programmierkenntnisse nicht wirklich notwendig. Zumindest aktuell noch nicht

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    • medienpraxis 29. Dezember 2013 / 17:31

      Hallo Johanna,

      Danke für Deinen Kommentar! Ich sehe es ähnlich wie Du: Social Media-Trends werden den Journalismus weiter verändern, und wer journalistisch arbeiten will, muss sich zumindest bei den wichtigsten Plattformen auskennen. Dass die Mehrzahl der Redakteure irgendwann auch programmieren muss, daran glaube ich auch nicht. Wer jedoch hervorstechen will aus der Masse, für den könnte das ein wichtiges Plus sein.

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