Als Journalist starten: Tipps für frische Freie – diesmal von Klaus Bardenhagen

„Wieso gerade Taiwan?“ Diese Frage hört Klaus Bardenhagen immer wieder, denn sein Arbeitsort klingt für viele sehr exotisch: Seit 2009 lebt er als freier Journalist und VJ auf der Insel und berichtet für Radiostationen, Zeitungen sowie für zdf.info und den NDR. Nach einem Chinesischkurs war er auf der Insel hängengeblieben, inzwischen hat er sich als Taiwanreporter und Crowdfunder einen Namen gemacht.  „Zum einen wollte ich vor Ort weiter Chinesisch lernen, zum anderen ist Taiwan interessanter und wichtiger, als es in deutschen Medien rüberkommt, und es gab dort quasi keine deutschen Korrespondenten.“ Der Start in Fernost lief auch deshalb gut, weil Klaus bereits Erfahrungen als freier Mitarbeiter hatte: „Nach meinem Volo war ich mehrere Jahre beim NDR-Fernsehen und anderen Sendern und kannte das öffentlich-rechtliche System ein Stück weit. So hatte ich Kontakte und wusste, wie Redaktionen ihre Sendungen bauen, nach welchen Kriterien Aufträge vergeben werden“, erzählt er.

Klaus Bardenhagen (Foto: privat)
Klaus Bardenhagen (Foto: privat)

Als Freier im Ausland empfiehlt der 37-jährige vor allem das öffentlich-rechtliche Radio als Arbeitgeber, da hier Aufträge einfacher vergeben werden können als beim Fernsehen: „Fernsehen ist ein spezieller Fall, denn die öffentlich-rechtlichen Auslandsstudios haben ihre Regionen abgesteckt. Will man für ARD oder ZDF einen Bericht drehen, muss das vorher abgeklärt werden.“ Beim Hörfunk – und auch bei Deutsche Welle TV – ist hingegen direkt die Redaktion in Deutschland Klaus‘ Ansprechpartner. Eine Fernsehnische hat er mittlerweile dennoch aufgetan – indem er sich in einen Bereich einarbeitete, für den Taiwan weltbekannt ist: Hightech, Smartphone, Tablets. „Für 3sat habe ich einen Beitrag über den deutschen Technikblogger Sascha Pallenberg gedreht, der hier auf Taiwan lebt und über die neuesten Gadgets schreibt. Später rief zdf.info an und wollte gern regelmäßig Berichte über Neues aus der Computerbranche.“ Standortvorteile nutzen, sich spezialisieren, rät Klaus – doch ausschließlich als Computer-Experte sieht er sich nicht.

Gleichzeitig sollte jeder Freie bei aller Spezialisierung nicht vergessen, seine Abnehmerbasis zu erweitern. Noch wichtiger ist aus Bardenhagens Sicht, dass junge Journalisten neue Wege suchen, wie man abseits von Redaktionen publizieren kann: „Viel Geld kann man damit noch nicht verdienen, aber man gewinnt an Renommee“, meint er. Er selbst ist mit seinem Crowdfunding-Buch „Formosa! Das ist Taiwan” als Krautreporter der ersten Stunde bekannt geworden, hat mehrere books on demand veröffentlicht und seine Erfahrungen dazu geteilt. Nebenbei stellt der Journalist einen Lerneffekt fest: „Ohne zwischengeschaltete Redaktion muss ich selbst kaufmännisch und marktorientiert denken lernen” – etwas, was in Zukunft immer wichtiger werde. Jeder (neue) Journalist sollte sich dafür etwas Zeit nehmen – „statt den nächsten 100-Zeilen-Artikel zu schreiben, der vielleicht nur 30 Euro einbringt.“ Besonders das Crowdfunding ist ein großer Schritt weg von der üblichen Arbeitsweise der Journalisten, wie Klaus in einem Interview erklärt: Hier müsse man sich exponieren, wildfremde Menschen um Unterstützung bitten – und großes Vertrauen in die eigene Projektidee haben.

Dass Fernsehjournalisten selbst zur Kamera greifen, ist inzwischen schon fast selbstverständlich. Der 37-jährige hat kurz vor dem Auswandern noch einen VJ-Kurs belegt und empfiehlt dies auch anderen Freien: „Video ist in naher Zukunft Standard, also sollte man es können. Youtube boomt ohne Ende, man kann dort Geld verdienen. Wenn die Kamera nicht wackelt, der Ton passt und ein Video kurzweilig geschnitten ist, sticht man derzeit noch aus der Masse heraus.“

Für Auslandsreporter sind nicht nur die Redaktionskontakte in der Heimat wichtig – auch einen guten Austausch mit anderen Journalisten im Ausland sieht Bardenhagen als bedeutend an. Der geborene Norddeutsche ist Mitglied der weltreporter, einem Netz freier Korrespondenten: „Wir geben uns Tipps, welche Zeitungen stark an Auslandsthemen interessiert sind oder wie man eine Fernsehredaktion dazu bringt, Beiträge einzukaufen.“ Das jährliche Treffen der Weltreporter, an dem er im August in Berlin teilnahm, ist in dem Sinne ein großer „Best-Practice-Austausch“ und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Um als Freier sichtbar für Auftraggeber und Leser/Zuschauer zu sein, ist Klaus auch auf (fast) allen Social Media-Kanälen zu Hause: Neben seiner sehr lesens- und sehenswerten Taiwanreporter-Website schreibt er auch das Blog intaiwan.de, und Ihr findet ihn auch bei Twitter und Facebook (wo er mit fast 4000 Followern eine beachtliche Fangemeinde hat) sowie Google+. Für seine Fernsehberichte hat er einen eigenen Youtube-Account angelegt.

Was würdet Ihr eigentlich neuen Freelancern raten? Oder seid Ihr selbst grad am Start und sucht Rat? Kommentiert, twittert oder mailt: @heiko_LE bzw. medienpraxis [kringel] gmx-topmail [punkt] de.

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2 Gedanken zu “Als Journalist starten: Tipps für frische Freie – diesmal von Klaus Bardenhagen

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