Als Journalist starten: Tipps für frische Freie – diesmal von Rico Grimm

Rico Grimm (Foto privat)
Rico Grimm (Foto privat)

Er reist gern an Orte, wo viele Kollegen sich nur mit dem Finger auf der Landkarte hin trauen: Rico Grimm, Jahrgang 1986, veröffentlichte kürzlich eine Spiegel Online-Geschichte aus dem Norden Iraks, zuvor war er ein halbes Jahr als Stipendiat in Israel und den Palästinenser-Gebieten unterwegs. Er schreibt für die Online-Redaktionen von ZEIT und Spiegel und für verschiedene Magazine, seine Ausbildungsvita liest sich gut: Studium an der Deutschen Journalistenschule in München, Praktika beim Spiegel und Financial Times Deutschland. Das dürfte den Start leicht machen, oder? „Mit einem DJS-Abschluss ist es sicher etwas einfacher, Fuß zu fassen, der Glanz färbt natürlich auf die Absolventen ab“, schätzt er ein. Doch dass man als solcher automatisch ein Jobangebot in der Tasche hat, das ist lange vorbei. Auch mit Top-Ausbildung sei laut Rico heute vor allem eines wichtig: Der unbedingte Wille, als Journalist zu arbeiten. „Man darf auch an schlechten Tagen, etwa wenn Kunden nicht zahlen oder wichtige Gesprächspartner abspringen, den Mut nicht verlieren und sollte sich klar machen, warum man diesen Beruf liebt“.

Zweiter Tipp: Vieles ausprobieren – aber auch schnell wieder sein lassen, wenn es nicht klappt. „Als junger Journalist sollte man inhaltlich und formal experimentieren,“ ermuntert Rico Grimm. Im vergangenen Jahr hat er angefangen, auch journalistisch zu fotografieren. Vorher war dies nur ein Hobby. Resultat: Beeindruckende Fotos und Porträts, die er auf seinem Blog 21 Millimeters sammelt. Anderes hat er wieder aufgegeben: „Im letzten Jahr habe ich mich an einer Audioslideshow versucht, doch irgendwie funktionierte das nicht so gut“, erzählt Rico. Ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln, sich zur Marke machen – darüber wird viel geredet, und es ist für Freie heutzutage notwendig, meint der in Berlin lebende Journalist. „Ich probiere da selbst gerade etwas herum“, erzählt er. Als Nahostjournalist will er sich jedoch nicht bezeichnen, obwohl er oft über die Region schreibt: „Das ist nur ein Teil meiner Interessen.“

Weiterer Tipp von Rico Grimm: Sich breit aufstellen, Redaktionsabläufe kennen – und so Anrufe zu ungünstigen Zeiten vermeiden, etwa wenn die Zeitungsproduktion gerade voll am Laufen ist. Hat er einen neuen Auftraggeber im Visier, sucht Rico zuerst nach Kontakten, die ihn mit der gewünschten Redaktion schon verbinden. Ein großes Netzwerk ist da von Vorteil, doch er hält nichts von Kontakten nur aus geschäftlichem Grund: „Es gibt diesen Spruch ‚Don’t cultivate people, they don’t like that“, erklärt er.

Und: Sich um Stipendien bewerben! Grimm selbst hat das Herbert-Quandt-Stipendium für ein halbes Jahr in den Nahen Osten geführt: „So konnte ich ohne finanziellen Druck beginnen, als freier Journalist zu arbeiten. Es gibt Hunderte solcher Programme, und es bemühen sich weniger Leute darum als man glaubt“, weiß er. Nicht zu vergessen: „Stipendien sind ein guter Weg, um aus der Routine auszubrechen.“

„Umtriebig sein, neugierig sein, arbeiten“ – auf diese Formel bringt der gebürtige Thüringer seine Tipps. Neben seiner sehr lesens- und sehenswerten Website findet Ihr ihn auch bei Twitter und facebook. Was würdet Ihr denn neuen Freelancern raten? Oder sucht Ihr selbst Rat? Kommentiert, twittert oder mailt mir: @heiko_LE bzw. medienpraxis [kringel] gmx-topmail [punkt] de.

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2 Gedanken zu “Als Journalist starten: Tipps für frische Freie – diesmal von Rico Grimm

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