Als Journalist starten: Tipps für frische Freie, Teil 2

Wie kann man als frischer Freier Fuß fassen im Journalismus? Letzte Woche gab es dazu Tipps von Kollegen, die sich ausführlich mit dem Wandel der Medienbranche auseinandersetzen. Diesmal sind es drei Journalisten, die bereits jahrelang oder erst seit kurzem als Freie unterwegs sind, im Print- sowie im Fernsehbereich sowie als Sportjournalist. Was würden sie jungen Autoren raten, und sehen sie in ihren Arbeitsfeldern Nischen für Neuankömmlinge?

Fabian Biastoch hatte erst vor zwei Jahren die Idee, in die Medienbranche zu gehen. Von Anfang an konzentrierte sich der Leipziger – neben seinem Studium – ganz auf Sport, vor allem Fußball: Er berichtet u.a. für das Newsportal goal.com, das Leipziger Uniradio mephisto97.6 sowie den dpa-Sportdienst. Auch wenn der Ostfußball nicht erstklassig sei, gebe es genügend Nachrichtenstoff: „Das Leipziger dpa-Büro ist federführend, was die Berichterstattung zur Dritten Liga sowie zu einem Dutzend weiteren Sportarten angeht. Bei uns entstehen viele kurze Newstexte“, erzählt er. Seinen Einstieg bei der Agentur fand er durch Zufall über einen Kollegen beim Uniradio mephisto. Fünf Stunden am Wochenende arbeitet der Student bei dpa, etwa 12 Stunden pro Woche als Redakteur vom Dienst für goal.com (unter anderem schreibt er eine wöchentliche Reihe über ehemalige Bundesliga-Stars im Ausland) und schreibt für weitere Titel, meist Online. Und er empfiehlt Sport als große Nische, die viel Platz biete: „Fast alle Medien haben einen Sportteil, auch Viertliga- oder Bezirksligaspiele sind Thema, und der Ansturm an Freien hält sich in Grenzen“. In Bereichen wie Politik sei ein Einstieg schwieriger, so seine Erfahrung. „Bei goal.com hingegen bin ich der einzige Redakteur in Mitteldeutschland.“ Fabians Tipps: Die Onlinemedien zum Thema Sport keinesfalls unterschätzen – hier bewegt sich viel. Über die eigenen Interessen twittern – weil man so schnell zu Kontakten kommt oder andere Experten findet. Und natürlich sollte man über ein eigenes Blog auffindbar sein.

Jan Söfjer hat die Zeitenspiegel-Reportageschule absolviert und arbeitet als freier Autor unter anderem für SpOn, die Berliner Zeitung und den journalist sowie als Dozent. Für den djv berlin kümmert er sich auch um dessen Webauftritt. „Als echter Freier – also ohne Pauschale, mit der man den Lebensunterhalt bestreiten kann – muss man sich am besten zwei oder drei Schwerpunktthemen suchen. Es ist auch gut, sich auf ein paar Redaktionen zu konzentrieren. Die Frage ist jedoch, ob man vom Schreiben alleine leben kann.“ Zumindest eine kleine Pauschale sei nötig, betont Jan: „Das können Produktionsdienste in einer Redaktion sein oder die Betreuung von Webseiten oder Social Media-Accounts – vielleicht auch von Unternehmen, wer das machen möchte. Corporate Social Media wird immer gefragter und gut bezahlt. Auch Artikel für Corporate Publishing-Agenturen bringen oft ein Vielfaches mehr ein als bei Redaktionen. Das Problem im Journalismus ist, dass nicht nur die Honorare vielerorts gering sind, sondern dass es oft auch keine Nachfrage, weniger Seiten und nur ein begrenztes Onlinebudget gibt. Eine Redaktion, die einem auch mal ein Thema gibt, ist die Ausnahme. Als freier Autor bekommt man selten mehr als 100 Euro am Tag, hat aber nicht jeden Tag einen Auftrag – vielleicht nicht einmal jede Woche,“ beschreibt Jan die Situation.

„Klar ist: Wer heute noch Journalist ist, ist Überzeugungstäter. Auch als solcher sollte man sich breit aufstellen und schauen, wo man mit seinen Fertigkeiten noch Geld verdienen kann. Unterrichten liegt nahe, Tageskurse bei Presseverbänden, Fortbildungseinrichtungen oder Hochschulen. Auch Moderationen können eine Option sein. Doch egal, was man macht: Man muss sich als Marke etablieren und das geht am einfachsten über Social Media, in dem man in Blogs, auf einer Facebook-Fan-Seite und auf Twitter über seine Themen schreibt und sich mit anderen Akteuren vernetzt und austauscht. Zumindest etwas Gutes hat unsere Zeit: Die technischen Möglichkeiten waren nie größer, die Entwicklung nie schneller.“

Jola Zielinski arbeitet als Fernsehredakteurin für die ZDF-Nachrichten sowie private Produktionsfirmen. Bei den Firmen ist sie als Realisatorin – also als Drehverantwortliche – und auch Autorin, also Filmemacherin, tätig: So stammen beispielsweise die zdf_neo-Dokusoaps „Wie werd‘ ich schlanker?“ und „Wie werd‘ ich stylisch?“ mit Lutz van der Horst und Christiane Stenger von ihr. Wer im TV-Bereich sucht, sollte sich nicht nur an den großen Playern orientieren, rät sie: „Den Einstieg in die Branche findet man immer noch am besten über Praktika, vor allem bei mittelgroßen Firmen.“ Dort haben Neulinge oft schneller die Chance, eigene Beiträge oder kleine Filme zu machen als beim Praktikum in den Öffentlich-Rechtlichen. Wer Talent zeigt, dem wird rasch mehr Verantwortung übertragen. Das gilt auch für Volontariate: „Da lernt man bei den Produktionsfirmen unheimlich viel, denn man arbeitet nicht nur journalistisch, sondern bekommt auch einen kleinen Einblick in den betriebswirtschaftlichen Bereich der Firma, also z.B. wieviel ein Kamerateam kostet.“ Gesucht werden oft auch Redaktionsassistenten, Recherche-Redakteure oder Casting-Redakteure – und das kann ein Startpunkt sein, um bei der Produktion der derzeit sehr angesagten längeren Formate mitzumachen. Wer im Praktikum bei einer Firma oder in einer Redaktion lande, sollte vor allem eines tun: Kontakte sammeln! Denn ohne „Vitamin B“ kommt man im Journalismus schwer voran – egal ob man das nun gut oder schlecht findet. „Über Bewerbungen habe ich noch nie einen Job gekriegt“, erzählt Jola, die schon etliche Jahre als Journalistin arbeitet. Selbst wer bereits Erfahrungen aufweisen kann, bekommt auf seine Schreiben oftmals keine Antwort.

Neue Tipps für frische Freie gibt es hier demnächst wieder! Was würdet Ihr denn den neuen Freelancern raten? Kommentiert, twittert oder mailt mir: @heiko_LE bzw. medienpraxis [kringel] gmx-topmail [punkt] de.

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2 Gedanken zu “Als Journalist starten: Tipps für frische Freie, Teil 2

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