Wie man einen TV-Beitrag aufbaut – und wie O-Töne dabei helfen

Nicht nur wer neu beim Fernsehen ist, stellt sich oft die Frage, wie er am besten einen Beitrag baut. Hilfreich beim Finden einer Dramaturgie (beschrieben im Blogpost Wie muss ein TV-Beitrag aufgebaut sein?) ist vor allem ein Blick auf die O-Töne, die zum Thema vorhanden sind. O-Töne sind Leben – und wichtige Säulen in der Struktur eines Stückes. Volkes Stimme oder ein Experte/Politiker vermitteln dem Zuschauer Authentizität und Informationen aus erster Hand. Spätestens nach 20-30 Sekunden sollte in einem Beitrag der erste O-Ton kommen: Wenn sich nach dieser Zeitspanne auf der Bildebene nichts wesentlich ändert, sinkt die Aufmerksamkeit der Fernsehzuschauer – das haben Psychologen und  Kommunikationswissenschaftler herausgefunden.

Deshalb hier ein paar Tipps:

1. Beim Sichten des Drehmaterials mit den O-Tönen beginnen (das gilt vor allem wenn man Drehmaterial zugeliefert bekommt)! Die Aussagen der Protagonisten helfen, den Erzählfaden zu stricken – von ihnen ausgehend lassen sich Anfang und Struktur des Beitrages leichter gestalten.

2. Wähle starke O-Töne mit Emotionen, mit Eindrücken und Infos, welche nur die Augenzeugen/Experten/Betroffenen haben können! Andere, allgemeine Infos kann der Redakteur in seinem eigenen Text unterbringen. Oft hilft es, den aussagekräftigsten als ersten O-Ton zu platzieren.

3. O-Töne müssen „angetextet“ werden. Der Redakteur muß mit einem entsprechenden Satz zur Aussage hinleiten – sonst hat der Zuschauer das Gefühl, dass plötzlich jemand „hereinplatzt“. Besonders Fernsehneulingen passiert dieser Fehler oft. Der einleitende Satz gibt meist schon die Richtung vor,  in die der O-Ton läuft. Etwa beim Politikerstreit über ein bestimmtes Thema (etwa Mindestlohn), nach dem O-Ton von Partei X : „Das sieht Partei Y hingegen ganz anders, sie verweist auf ihr eigenes Konzept: …“

4. Die meisten O-Töne sind cirka 20 Sekunden lang – was darüber hinausgeht, wird vom Zuschauer oft als länglich empfunden. 20 Sekunden entsprechen in etwa 3 bis 4 Sätzen.

5. Gute, starke O-Töne können eher schwache Bilder ausgleichen, zumindest zum Teil. Pro und Contra aneinandergeschnitten bringt Spannung – und O-Töne, die sich gegenseitig ergänzen, verpassen einem Beitrag Tempo.

6. Man sollte Beiträge nicht mit O-Tönen überfrachten. In einen 1:30-min-Beitrag passen meist nicht mehr als drei Aussagen –  um sie herum sollte noch genug Platz für die Geschichte sein!

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4 Gedanken zu “Wie man einen TV-Beitrag aufbaut – und wie O-Töne dabei helfen

  1. Caroline 18. Februar 2015 / 21:51

    Hi! wenn man einen Beitrag selbst drehen soll, bietet es sich dann an, den Off-Erzähltext mit den Hauptinformationen VOR dem Dreh zu verfassen? Liebe Grüße

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    • medienpraxis 19. Februar 2015 / 09:13

      Hallo Caroline, Danke für Deine Frage! Da gibt es kein Patentrezept – es hängt etwas von der Dreherfahrung, vom Thema und den Drehbedingungen ab. Grundsätzlich ist es immer gut, so gut vorbereitet wie möglich zum Dreh zu gehen. Speziell wenn man noch nicht so viele Beiträge gemacht hat, würde ich eine Art „Grob-Text“ empfehlen. Das lässt Dich abschätzen, wie viel Du drehen musst und welche Motive Du brauchst. Das Feintuning des Textes wird dann sicher beim Schnitt stattfinden. Demnächst schreibe ich dazu mehr, wie man Drehs vorbereitet, wie man textet und gute Einstiege findet – schau also mal wieder rein :-).

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      • Caroline 19. Februar 2015 / 16:22

        Vielen Dank. Gibt’s generell für einen Nachrichtenbeitag ein (Beispiel-)Exposé? Grüße C.

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      • medienpraxis 20. Februar 2015 / 17:06

        Hallo Caroline, das gibt es sicher! Ich suche es am Wochenende heraus und maile es Dir zu!

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