Fanfaren, Gongs und Skylineflüge – die Welt der Nachrichten-Intros

Er soll Erkennungssignal sein, Aufmerksamkeit wecken und neugierig machen: Der Nachrichtenvorspann – neudeutsch Intro beziehungsweise Opening. Er ist sozusagen Eingangstür zum Seriösesten und Wichtigsten, was ein Fernsehprogramm bietet. Wie gestalten Sender dieses Element – speziell in einer Zeit, wo viele das Neueste eh schon längst auf ihrem Smartphone gelesen haben? Mit welchen gestalterischen Mitteln machen Redaktionen klar, dass sie kompetent über Weltereignisse informieren? Lasst uns dazu auf eine kurze Reise durch die Intro-Welt gehen!

Das Rezept in vielen Fällen: ein Jingle meist mit Fanfarenklängen, eine Animation mit Globus oder Weltkarten sowie Sequenzen zu den Topthemen des Tages. Im Detail aber gibt es interessante Unterschiede – etwa beim Farbdesign. So wird allgemein Blau als Nachrichtenfarbe eingesetzt, zu sehen an vielen Studios (tagesschau, heute oder die Nachrichten im spanischen Sender TVE1, seit Januar 2012 in neuem Design). Das wirkt seriös, konservativ und strahlt Ruhe aus. Auch Rot wie bei der BBC ist ab und an zu sehen. Der britische Sender ITV hingegen hat sich bei seinem Redesign 2009 für eine  Kombination aus Schwarz- und Goldtönen entschieden.

Der dänische Sender DR2 hat seine Nachrichten 2010 neu gestaltet und ebenfalls Farben außerhalb der Reihe gewählt: Das Nachrichtenstudio zeigt sich zwar in Blau und Türkis, doch der in Schwarz und Dunkelgrün gehaltene Vorspann setzt sich davon ab. Interessant auch, wie die bei Intros üblichen Weltkugeln oder -karten im Detail verfremdet wurden. Gutes Artwork!

Typisch für den Aufbau vieler Openings ist der Start mit einer Uhr. Die BBC wählte dafür einen Countdown, der immer wieder die eigenen Korrespondenten in den Mittelpunkt rückt – den Zuschauern werden so Nähe zum Geschehen und Präsenz vermittelt. Im Sommer 2012 wurden die Countdown-Filme ganz auf Olympia und die Paralympics abgestimmt.

Die Moderatoren werden häufig durch eine Off-Stimme während des Vorspanns angekündigt. US-Nachrichten sind traditionell stärker auf die Persönlichkeiten ihrer Anchor zugeschnitten – bei den Eyewitness News von ABC 7 wird das besonders deutlich: Gleich zu Anfang wird ausführlich das Moderatorenteam vorgestellt.

Meist erfahren die Zuschauer in einem Themenüberblick, worüber die Nachrichten gleich berichten. Den Impuls dazu sollen die Vorspänne und Trailer bei CNN gegeben haben, die der Sender zu Zeiten des ersten Golfkrieges Anfang der 1990er Jahre zeigte. Bei der ZDF-heute-Sendung oder RTL aktuell sind es drei Themen, die mit je ein-zwei Sätzen vom Moderator kurz benannt werden. Andere Sender reißen ihre Hauptthemen tiefergehend an und peppen ihre Überblicke zudem mit O-Tönen auf, um die Zuschauer noch stärker in die Sendung hineinzuziehen –  wie das dänische Programm DR1.

Fester Teil vieler Openings sind seit ein paar Jahren aufwändige Animationen sowie Kameraflüge ins Nachrichtenstudio: Hightech für’s Erstellen virtueller Welten sowie Kameraroboter machen solche imposanten Eyecatcher möglich. Bei RTL aktuell geht es über die Skyline von halb Europa, bei der russischen Nachrichtensendung Vremja macht die Kamera einen langen Schwenk durch ein protzig-riesiges (und um diese Zeit leeres)  Senderbüro.

Eines der wohl ausgefeiltesten und bombastischsten Openings war bis November 2009 das der abendlichen News at Ten beim britischen Sender ITV. Nach einer kurzen MAZ zum wichtigsten Thema wurde der Zuschauer mitgenommen zur Tour über eine detailreich in Szene gesetzte Londoner Skyline: Entlang der Themse und vorbei am London Eye ging es unter wuchtigen Paukenschlägen zum Big Ben. Beim Stundenschlag wurde auf’s Newsstudio umgeschnitten. Die tagesschau-Fanfare und andere öffentlich-rechtliche News-Opener wirken dagegen mehr als nüchtern.

ITV verbannte das Hauptstadt-Motiv nach vielen Jahren  jedoch, weil es dem Sender zu London-zentriert wirkte und man meinte, Zuschauer in anderen Regionen zu verärgern. Schade, denn grandioser und aufsehenerregender konnte ein News-Opening kaum sein. Hier wurde der Nachrichtenauftakt regelrecht zelebriert: Über eine Minute dauerte es von der Ankündigung des ersten Themas bis zur ersten Moderation – die Tagesthemen brauchen dafür im Schnitt 30 Sekunden.

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