„So, wie du es Oma erzählen würdest“ – einem Fernsehbeitrag Struktur geben

Fernsehbeiträge sollen Zuschauer vom ersten Moment an fesseln. Ihr Aufbau hängt unter anderem vom Thema, vom Sendeformat (magazinig vs. nachrichtlich) oder der gewünschten Beitragslänge ab. Wie schon im Posting vom 14.03.2010  beschrieben, sollte der Beitrag einem Spannungsbogen ähnlich wie im klassischen Drama folgen. Einige Grundmuster zeigt der Journalist und TV-Trainer Rolf Breuer in seinem Papier „Erzählen statt Quälen“ auf Seite 12 auf. Sein insgesamt sehr lesenswerter Artikel gibt einen guten Überblick, wie man TV-Beiträge aufbaut und was beispielsweise in ein Treatment gehört, mit dem man ein Thema einer Redaktion anbietet. 

Auch abstraktere Themen dem Zuschauer schmackhaft zu machen heißt u.a., diese an seine Lebenswelt anzubinden. Wie er das versucht, erklärte TV-Trainer und Filmemacher Gregor Alexander Heussen bei einer Diskussion im Filmhaus Frankfurt.

Viele, die neu im Medium Fernsehen sind, tun sich mit dem Texten teilweise schwer: Es „fließt“ einfach nicht, die Worte wirken zu verquast. Erzähle es so, wie du es deiner Oma erzählen würdest – diesen Rat gab mal ein erfahrener Nachrichtenschreiber. Im Alltag erzählen wir in einfacher Sprache ohne Behördendeutsch, meist aktivisch und in kurzen Sätzen – genau das macht auch Fernsehtexte sofort verständlich. Weg mit Schachtelsätzen, und die Partizipialkonstruktion ist eine zu vermeidende!

Fernsehen ist das Medium der bewegten Bilder. In der Wahrnehmung des Zuschauers dominiert das Bild aufgrund des stärkeren emotionalen Reizes eindeutig gegenüber den Geräuschen oder dem Text des Redakteurs. Deshalb: Der Textinhalt sollte dem Bild folgen, will man den Zuschauer nicht verwirren. Das heißt jedoch nicht, dass man nacherzählt, was eh schon zu sehen ist. Texte folgen meist dem Rhythmus, dass der Redakteur den Bildinhalt mit ein-zwei Sätzen anspricht („Dies ist Frau XY – sie lebt nahe der Trasse, wo künftig eine Autobahn entstehen soll…“), sich dann vom Bild inhaltlich etwas löst, nach Umschnitt auf eine neue Sequenz wieder den Inhalt anspricht („Hier, im Rathaus der Stadt, klingeln seit Tagen die Telefone wegen des Bauprojekts …“) – und so weiter.

Wenn Sie die nächste Nachrichtensendung schauen, drehen Sie doch mal den Ton ab! Erzählen die Bilder dann noch eine Geschichte, oder ist es eine bloße Abfolge von vorfahrenden Limousinen, händeschüttelnden Politikern und Staatschefs am Konferenztisch? Wie der (leider noch oft) typische Standardbeitrag aussieht, den der Zuschauer meist schon kurz nach dem Ansehen wieder vergessen hat – der britische Journalist Charlie Brooker zeigt’s auf sarkastisch-trockene Art.

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